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Zeichensteine

KULTUR > Erstfeldertal

Fotos: Brosi Furrer- Herger
Textbeitrag aus: Dr. Benno Furrer, Bauernhäuser im Kanton Uri

Im Grunde des Erstfeldertales, uff den Gründen (Koord. 685 910 / 184 580), liegt nahe am Weg zur Kröntenhütte, unterhalb eines grossen Felsblocks ein unscheinbarer Kalkblock mit den eingeritzten Zahlen und Initialen:
AD 0/ + 1668.8 AM/I
Wer war es, der diesen Stein einritzte und was wollte(n) er oder sie damit in "Stein meisseln"?
Unter dem Begriff Zeichensteine verstehen wir grössere Steinbrocken, Felsplatten wie auch anstehende Felspartien, die mit verschiedenartigen Zeichen, Jahrzahlen und Initialen versehen sind. Diese Zeichensteine weisen auf bestimmte Personen oder Personengruppen hin, die einem räumlich eng begrenzten Raum anwesend waren.
Ohne Anspruch auf Vollständigkeit bieten sich zur Klärung der Zeichensteine verschiedene Lösungsbereiche an:

  • Markierung von (Natur-)-Ereignissen
  • Nutzungs- oder Besitzansprüche
  • Hinweis auf Geburt, Heirat, Tod
  • Ausdruck von Kulthandlungen
  • Ergebnis spielerischer Handlung von Menschen
  • Kennzeichnen von Mineralfundorten
  • Ein Zusammenhang zwischen den Zeichendaten mit einer Naturkatastrophe ist nicht erwiesen.
  • Eigentumsgrenzen wurden mit Kreuzen (Marchsteinen) gekennzeichnet durch Marchbriefe gesichert.
  • Im Pfarreiarchiv Erstfeld finden sich diesbezüglich keine Hinweise.
  • Der kultische Bereich kann mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit ausgeschlossen werden, da mit Standorten von Zeichensteinen nichts Entsprechendes überliefert ist und zudem im katholischen Uri im fraglichen Zeitraum kaum möglich war.
  • Dass Zeichensteine einen als bedrohlich empfundenen Gletschervorstoss markieren könnten ist jüngerer Zeit.
  • Es finden sich zwar Moränenwälle, die einen Gletscherstand anzeigen in unmittelbarer Umgebung der fraglichen Zeichensteine, doch sind diese nicht genau datiert.
  • Im Erstfeldertal fehlen Mineralienvorkommen, die einen diesbezüglichen Fundort markieren könnten.

Vielleicht bestanden aber innerhalb der einheimischen Bevölkerung Streitigkeiten und Rivalitäten um verschiedene Alprechte wie sie beispielsweise bei der Alp Mettenen im Schächental aktenkundig sind.
Es ist anzunehmen, dass Hirten einzelne günstig gelegene, flache oder gar tischförmige Steinplatten gerne aufsuchten, um von hier aus das Vieh zu beobachten, in der Umgebung das Vieh (Kleinvieh) zu melken oder Salz (Gläck) zu verteilen. Obwohl zu dieser Zeit noch viele Analphabeten waren, könnten die Zeichen auch vom einem oder anderen Senn oder Hirten mit dem Messer eingekerbt worden sein..


Inschriften am alten Weg nach Chüeplangg
Geschlechter im Tal:
Furger
Furrer
Huber

Zwischen Fruttegg und dem Chäli

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