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Spannort

KULTUR > Erstfeldertal

Spannortgruppe
Gross Spannort, 3198 m


Spannortgruppe

Ganz hinten im Westen des Erstfeldertales stehen sie, die Spannörter: Wilde Kalktürme steigen da aus flachen, spaltenreichen Gletscherbecken. Auf beide Spannörter führen verschieden schwere Routen. Eingebettet liegt die bizarre, wildverzackte und formschöne Spannortgruppe im mächtigen Gletscher des Glatt Firn im oberen Dreieck: Erstfeldertal -Engelbergertal - Meiental. Sie ist die höchste Erhebung im Gebiet des Erstfeldertales und teilt sich, getrennt durch das tief eingeschnittene Spannortjoch, in verschiedene Gipfel auf.

Formenvielfalt
Erhaben trohnt das Gross Spannort mit seiner Adlerspitze über dem mächtigen Gletscher das Glatt Firns. Bei Gorezmettlen im Meiental ragt sie wie eine Zitadelle senkrecht in den Himmel. Dem Talabschluss von Engelberg drückt die Familie der ruinenartienartigen Spannorte den eindrücklichen und prägenden Stempel auf. Südlich vom Spannortjoch trägt der Obelisk des Kleinen Spannort eine weisse Firnhaube, dessen nach Osten geneigtes Schneedach nach allen Seiten in die Tiefe fällt. Die unterschiedlichen Blickwinkel auf die Spannortgruppe veranschaulichen deren unverwechselbare Formenenvielfalt.

Erstbesteigung Gross Spannort 3198 m

1867 wurde das Grosse Spannort vom seinem Joch aus, erstmals erstiegen. Die britischen Alpinisten Rev. John Sowerby, und dessen Landsleute Waldemar Mansell, F. E. Thomphson und Robert Spankie erreichten mit den Urner Bergführern Josef Maria Tresch- Exer (1818- 1886) und Ambros Zgraggen, dem Karli- Breseler, (1825- 1904), den Gipfel über den leichtesten Anstieg von Süden.

Der weit schwierigere Westgipfel fiel erst 1903 durch die Engelberger Führer K. Hess und J. Kuster. Engagiert wurden sie vom Alpinisten Dr. H. Biely vom akademischen Alpenclub Zürich.

Adlerspitze
3021m

Am 11. August 1888 geleiteten die Engelberger Bergführer Placidus Hess, C. Amrein sowie Hurschler und Kuster von Süden her Baron de Stael und Le Grand zur eleganten Adlerpitze, die auch als Nordgipfel des Gross Spannort bezeichnet wurde.



Nordwand des Gross Spannort
Unter der nördlichen Spitze des Spannortgipfels befindet sich ein alter rostiger Felshaken. Dieser sollte im August 1928 die Erstbegeher- Seilschaft Werner Weckert, Paul Bootz, Mathis Margadant und Fitz Bieri sichen. Dass sie wagemutig kletterten, weiss man spätestens am Ende des Berichts von Werner Weckerdt. „Dicht an den kalten Felsen geschmiegt, jede mögliche Reibung ausnützend, schwindle ich mich zentimeterweise höher, sogar mit dem Kinn versuche ich mich zu halten. Etwa 10 Meter komme ich so aufwärts, dann ist es mit jeder Kunst zu Ende. Die Finger drohen zu erlahmen. Selbst mit den Zähnen verbeisse ich mich im unbarmherzigen Gestein, bis ich nach schwerem Kampf endlich wieder auf der Höhe meiner Kameraden rechts in der Wand klebe; dann ist’s mit meiner Kraft zu Ende. Am Mauerhaken lasse ich mich zu den Freunden hinüberpendeln. Die Finger schliessen sich im Krampf, und vorläufig bin ich zu jeder weiteren Arbeit unfähig. Die Kameraden reden von Rückzug. Da packt mich eine tolle Wut gegen diese trotzige Wand. Vielleicht gibt es eine andere Möglichkeit ihr beizukommen. Ich quere auf einem Band etwa 8 Meter nach links zu einem der Wand vorgelagerten Block. Von hier zieht steil nach rechts aufwärts eine brüchige, griffarme Platte, die mit der linken Wand einen Winkel bildet. Nach meiner Meinung die einzige Möglichkeit, wenn auch äusserst schwer. Ich verklemme mich zwischen dem Block und übernehme die Sicherung. Vorsichtig geht Paul zu Werke, denn das Gestein ist denkbar schlecht. Nach 3 Meter schlägt er einen Sicherungshaken. Jede Unebenheit im Fels ausnützend, gewinnt er langsam Zoll um Zoll. Das Ende der Platte ist von einem Überhang begrenzt. Nochmals fährt ein Mauerhaken in den Fels. Dann spreizt Paul mit dem linken Fuss weit in die linke Wand hin. Unendlich lange klebt er so. Griff um Griff bricht aus, bis er sich mit äusserster Gewichtsverlegung über den Überhang drückt, dann noch drei Meter senkrecht empor und nun ist er meinem Blick entschwunden. Nur das langsame Nachlaufen des Seils sagt mir, dass er vorwärts kommt. Nun unter einem grossen Überhang auf abschüssigem Schuttgesimse nach rechts querend, erreichen wir 30 bis 40 Meter vom Signal den Gipfelgrat. Die Rucksäcke werden aufgeseilt und nach geraumer Zeit kann auch Freund Mathis als letzter sich in Bewegung setzen. Jedoch nicht ohne Zwischenfall, denn am Überhang bricht ihm ein Block aus. „Haltet fest“ ruft er und pendelt, aber bald darauf stehen wir alle um die zweite Nachmittagsstunde freudig am Gipfel und schütteln uns kräftig die Hände“.

Bild unten:
Klein Spannort und Titlis (rechts)

Klein Spannort 3140 m

Das Kleine Spannort besteht aus einem, nach allen Seiten in steilen Wänden abfallenden, langgestreckten, mächtigen Kalksteinklotz, der mit einer Schneehaube gekrönt ist. Die Süd- und Westwände, die nahezu senkrecht und von tiefen Kaminen durchzogen sind, sind nur schwer zu durchklettern. Auf der Nordseite hingegen ist der Fels gestuft und von Bändern durchzogen und weist einige begehbare Couloirs auf. Das Schmelzwasser der Firnkuppe scheidet sich fast auf allen Seiten des Berges aus und bewirkt oft starke Vereisung. Alle Routen bieten bei aperem Fels ziemlich schwierige Kletterei in teilweise brüchigem Fels. Am leichtesten ist der Anstieg über die Bänder der Nordwand. Der Abstieg führt über den Ostgrat, wo am Abbruch ein solider Eisenring das Abseilen erleichtert. Im Spätsommer ist die Randkluft an der Nordseite sehr breit und manchmal nicht überschreitbar. Clubführer Urner Alpen West 1966

Bild unten: Spannorthütte
http://www.alternatives-wandern.ch/





Erstbesteigung Klein Spannort 1876


1. Versuch

Nachdem der erste Angriff von Eugen Ochsner mit dem Engelberger Bergführer Hess für die Ersteigung des Klein Spannort misslang, griff der Zürcher Alpinist am 2. August 1876 zum Telegrafen und verpflichtete im Hotel Alpenclub im Maderanertal den Bergführer Josef Furger.

2. Versuch

Im Rest. Kreuz in Erstfeld
heuerten sie noch den ehemaligen Schuhmacher und jetzigen Strassenmeister Furger an, welcher in der Klus wohnte und schon einige Male mit Touristen über die Schlossberglücke, oder wie man es dort einfach nennt, das „Lückli“ gegangen sein soll, und wanderten zusammen durch das Erstfeldertal nach der Alp Kuhplangg. Mit den freundlichen Sennen verbrachten sie ein paar gemütliche Stunden, ehe sie dort nächtigten. In diesem unbekannten, so romantischen Tal kein Gasthaus zu finden, das war für Ochsner enttäuschend. Anderntags stiegen sie unter der kundigen Führung des Strassenmeisters Furger über die „Katzenplanken“ Richtung Schlossberglücke gegen das Spannortjochbis zum Einstieg in die Felsen des Kleinen Spannorts.

Furger in Aktion

„Furger besah sich einen ganzen Augenblick die ganze Länge der Wand, und marschierte alsdann gegen die Mitte des Berges hin, woselbst sich eine ziemlich bedeutende Vertiefung befindet. In dieser Vertiefung zieht sich eine steile Geröllhalde ungefähr 100 Fuss an der Felswand hinauf. Ich unterhielt mich einige Minuten lang mit dem Strassenmeister, welcher keine Lust hatte, eine Kletterei mitzumachen, und als ich nach Furger blickte, befand sich dieser bereits über dem Geröll an der Felswand. Ich war im Begriffe ihm nachzueilen, als er mich ersuchte, einstweilen wieder zurückzukehren, um nicht etwa von dem durch seinen Aufstieg in Bewegung gesetzten Steinen getroffen zu werden. Man kann sich denken mit welcher Spannung wir Furger zusahen, vielleicht konnte er dort oben eine Möglichkeit des Hinaufkommens entdecken und in diesem Falle hatten wir gewonnenes Spiel. Furger war schon ziemlich hoch hinaufgeklettert; wir beobachteten aufmerksam jede Bewegung. Erst schien es uns, als käme er nicht mehr vorwärts, wir wollten ihn aber nicht stören, sondern sahen ihm fernerhin ruhig zu. Nach einiger Zeit rief er uns zu uns herab, es wäre hier absolut unmöglich, auch nur einen Schritt weiter zu tun, denn er befände sich am Fusse eines überhängenden Felsens, wo kein anderer Ausweg sei, als zurückzukehren. Da dieser Rückzug nicht sofort stattfand, sondern wir sahen, das Furger wie gebannt oben an der Wand klebte, waren wir stark um ihn besorgt. Es dauerte ordentlich lange, bis er sich endlich wieder bewegte. Der gute Mann hatte sich verstiegen, und es fehlte wenig, so wäre er nicht mehr lebend zu uns heruntergekommen. Ich hatte grosse Freunde, als uns Furger nach einiger Zeit wieder einholte.

In schlimmer Lage
Furger sprach jenen Tag noch zwei oder dreimal von der schlimmen Lage, in welcher er sich befunden und wo er während mehrerer Minuten weder vorwärts noch rückwärts gelangen zu können glaubte.“ Nach langem Suchen fand man eine Art Kamin, das einem möglichen Durchschlupf bot. „Furger glaubte hinaufzugelangen, er machte sich denn auch sofort ans Klettern und in kurzer Zeit war er schon ziemlich weit oben. Ich traute kaum meinen Augen, als ich Furger in seinen halsbrecherischen Aktionen zusah.

Der Strassenmeister und ich riefen ihm denn auch mehrmals zu, wieder hinunter zu kommen, denn da Ersterer sich von vornherein gegen eine Kletterei ausgesprochen hatte, so war ich trotz allem Vertrauen, das ich in Furger setzte, nicht gesonnen, mit bloss einem Führer eine so gefährliche Partie zu unternehmen. Furger liess sich aber nicht aufhalten, sondern kletterte mit enormen Anstrengungen immer weiter, bis er oben ans Kamin angekommen war. Nun rief er mir zu, mich ans Seil zu binden, damit er mich hinauf ziehen könne; ich hatte aber dazu keine Lust, denn obschon ich sicher war, oben anzulangen, und auch wieder auf gleichem Wege wieder herunterzukommen, so wusste ich doch weder, wie und ob wir weitergelangen, noch wie Furger und ich wieder hinunter gelangen würde“.

Der verwegene Führer fand dennoch einen Rückweg und erzählte, wie es oben aussehe und er glaube an eine Erkletterung des Gipfels. Ochsner wollte heute keine weiteren Versuche, überhaupt schien ihm die Sache so gefährlich, dass er auf weitere Besteigungsversuche verzichten wollte. Nach einem Fehleinstieg in die zerklüfteten Felsen scheiterte auch das zweite Unterfangen und selbst der Rückweg durch das unbekannte Gornerental stand unter einem schlechten Stern.

Dritter Versuch
Der dritte Versuch startete nach der Überquerung vom Surenenpass wiederum von der Engelberg her. Diesmal zusammen mit dem bekannten Engelberger Führer Josef Cattani und dem Senn und Gemsjäger Josef Hess sowie dem Bristner Bergführer Josef Furger.
Furger band mich nun an’s Seil, das andere Ende aber hielt er bloss in seiner Hand, ohne sich selber daran zu befestigen.

Die kurze Schneehalde, welche zum Kamin führt war bald passiert, ebenso auch das Kamin in wenigen Schritten umgangen, und nun stunden wir an der Wand, über welche hinauf der Weg zu unserem Ziele führte. Es war 7 Uhr 15 Minuten. Die Wand besteht aus Kalkschiefer, der so bröcklig ist, dass man die Haltbarkeit eines jeden Steins untersuchen muss, bevor man sich entweder mit der Hand daran klammert oder den Fuss darauf setzt. Je alle fünf bis 7 Meter findet sich ein schmales Band vor, wo man sich jeweilen wieder sammelte, weil meistens nur Einer aufs Mal sich bewegen konnte oder durfte. Furger ging voraus, uns vorher noch grösste Sorgfalt anempfehlend, und nachdem er auf dem ersten Band angelangt war kam die Reihe an mich. Wie oben erwähnt hielt er mich am Seil; ich glaube zwar nicht, dass er mich im Falle eines Sturzes etwas genützt hätte, denn an der ganzen Wand waren nur wenige Stellen, wo man auch nur einigermassen sicher stehen konnte. Dieses wusste Furger und tat deshalb auch gut, sich nicht fest am Seile anzubinden, denn in diesem Falle hätte ich ihn bei etwaigem Ausgleiten jedenfalls mitgerissen. Ein grosser Nachteil war das Seil, das immer wieder Steine in Bewegung setzte. „Der Aufstieg war weniger unangenehm, als das stille Stehen müssen auf schmalen Fluhabsatz, mit dem ganzen Leib dich an der eiskalten Wand, mit den Händen an den Steinen angeklammert, und immer besorgt, ob nicht ein bisschen Boden auf dem man stund, nachgebe und man elend in die Tiefe stürze. Hinter uns sahen wir fast senkrecht in den steil gegen Surenen hinabfallenden Gletscher hinunter und etwas weiter vorn, zu unserer Rechten erblickten wir in schwindelnder Tiefe etwa 2000 Meter unter uns das herrlich gelegene Engelberg. Unsere Gletscherbeile hätten wir während des Kletterns absolut nicht halten können und somit wurden sie, bevor wir die Wand betraten, sämtlich niedergelegt, da wir aber voraussahen, sie auf dem Firn über der Wand zu gebrauchen, so mussten wir sie dennoch hinaufschaffen.

Ende der Fahnenstange

Bevor nun der Letzte, also Hess die Wand betrat, bot er Stück für Stück und auch die Fahnenstange an Cattani hinauf, dieser schob mir eines nach dem anderen wiederum zu und ich händigte dieselben an Furger aus, welcher sie an dann an sicherer Stelle anlehnte, was oft sehr schwierig war und wo sie solange verblieben, bis Hess daselbst ankam. Dieses Manöver musste auf jedem Fluhsatz sowohl beim Aufstieg als auch nachher wieder beim Abstieg wiederholt werden. Mit Anwendung der äussersten Sorgfalt und mit klopfendem Herzen gewannen wir ein Band nach dem anderen. Furger blieb immer voraus und wies jedem diejenigen Steine an, an welchem er sich ziemlich sicher halten konnte. Die Vorsprünge je zwischen den Bändern, auf welche wir Hände und Füsse setzten, waren oft sehr klein, bisweilen zollbreit und da wo es tunlich war, folgte einer dem anderen und drückte des Vormannes Füsse gegen die Wand. Grosse Steine liess Furger unter unheimlichen Lärm in die Tiefe fallen und bisweilen mussten die Alpinisten mehrere Schritte horizontal auf dem Bändern gehen bevor sie wieder weiterklettern konnten. Bei den aus der Wand hervorstehenden Felsen hielt Furger seine Gefährten.

Gipfel bezwungen

„Oft wenn ich mit dem ganzen Leib an der Wand stund und mit dem Gesicht sozusagen den Felsen berührte, kaum atmend um nicht etwa auszugleiten und die beiden Anderen erwartete, welchen Furger ebenfalls heraufhalf, machte ich mir Vorwürfe, mein Leben auf solche Art aufs Spiel gesetzt zu haben und gerne hätte ich mich wieder auf festem Boden befunden. Ich behielt aber guten Mut und blickte sehr oft in die Tiefe hinunter, um mich mit dem Anblick zu befreunden. Es dauerte beinahe 1 ½ Stunden bevor wir die Wand hinter uns hatten aber es schien mir, als hätten wir viel länger bebraucht. Über den Felsen angelangt kamen wir auf den Firn, konnten aber die höchste Spitze noch nicht erblicken. Der Firnhang war nicht hoch aber ziemlich steil. Wir bestiegen denselben äussert sorgfältig in der gleichen Reihenfolge wie bisher und war ein jeder froh, dass wir die Beile hinaufgeschleppt hatten. Nach einigen Minuten gelangten wir auf einen schmalen Firngrat und glaubten, dessen oberster Teil wäre die allerhöchste Spitze. Sie marschierten sorgfältig auf dem Firn weiter und erreichten kurz vor 9 Uhr das lang ersehnte Ziel.

„Wir hatten, zwei kurze Raste mitgerechnet, 8 ½ Stunden von der Niedersurenenalp bis zur Spitze gebraucht. Ein ganz eigentümliches und nicht zu beschreibendes Gefühl beherrschte mich als ich auf dieser Spitze anlangte, welche noch nie zuvor von einem Menschen betreten worden war. In aller Eile bauten sie einen hohen Steinmann und steckten die mitgebrachte Fahnenstange hinein, in welcher sie ein rotes Taschentuch befestigten. Die leider nur noch halb angefüllte Weinflasche, welcher der Gemsjäger in einem kleinen Ränzchen auf seinem Rücken hinaufschleppt hatte, war bald ausgetrunken und diente als Aufnahme für die Karte der Erstbegeher.

Bergführer Furger leistete den bedeutensten Anteil

Bei dieser Erstbesteigung leistete der Urner Bergführer Josef Furger den bedeutensten Anteil. Ochsner: „Der Verdienst derselben gehört ganz Furger; ohne welchen wir niemals hinaufgekommen wären.Er ist ein ausgezeichneter und überaus vorsichtiger und zuässiger Führer “. Ochsner aber machte sich Vorwürfe, sein Leden dermassen aufs Spiel gesetzt zu haben und verabschiedete sich vom Kleinen Spannnort: „Auf Nimmer Wiedersehen“.

Bild unten: Kröntenhütte




Bergunfall
Am 27. Sept. 1917 ereignete sich am Chly Spannort ein schwerer Bergunfall. Der damals bekannte Zürcher Alpinist, Karl Seelig mit Urner Bergührerdiplom, stürzte zusammen mit Walter Hurter, Zürich, und Fräulein Cabanis aus Berlin in eine tiefe Randspalte. Die Bergung aus der tiefen Kluft gelang erst einige Tage später und der Abtransport der drei Leichen forderte einen Grosseinsatz aller Rettungsleute.

Ein instabiler Kalkschieferturm, das
Kleinstes Spannort, in Analogie zur Adlerspitze auch Falkenturm genannt

Das Kleinste Spannort wurde 1907 durch Siegfried Behn mit den zwei Engelberger Bergführern Carl und Hermann Hess, erstmals betreten. Von der Scharte zwischen Chli Spannort und Falkenturm traversierten sie zuächst eine zirka 30 Meter breite Fluh. „Siegfried Behn in Kletterfinken, die Führer barfuss“. Die Fluh reichte hinauf bis in die Nordflanke des Gipfels. Von dort aus wies ein Kamin den weiteren Routenverlauf zur Spitze des Falkenturms.

Traversierung des Falkenturms 1937

Einen anderen Durchstieg als durch die meist vereiste Nordwand hatte sich der Kletterer Otto Gerecht vorgenommen. Doch der Felsturm, den Otto Gerecht und Sepp Wechsler 1937 traversierten, forderte Opfer, Mut und Tatktraft, viel mehr als mancher grosse Berg. Beim ersten Versuch troff die von der Oktobersonne beschienene Wand dermassen, dass die beiden Spitzenkletterer trotz harter Kletterarbeit nach Erreichen vom Westgrat zum Rückzug blasen mussten. Zu stark waren sie durch die Anstrengungen des Tages verbraucht.
Eine Woche später, am 9. Oktober 1937 waren sie wieder unterwegs. "Wieder schweiften unsere Blicke durch die 200 Meter hohe senkrechte Wand. Drei grosse Kamine durchreissen sie und geben der glatten Kalkmauer Struktur. Die Felseinschnitte enden oben alle in Überhängen und kommen für einen Versuch nicht in Frage. Wir wählen deshalb wieder unsere Route vom letzten Sonntag als Einstieg in einen Riss links vom ersten Kamin. Einige Meter geht es gut, dann schliesst ein unüberwindlicher Riss oben ab. Links hinaus müssen wir, in die glatten abwärtsgeschichteten Platten. Vorsichtig gehe ich ans Werk, schlage zu meiner Sicherung einen Haken ein und taste mich langsam um die Kante. Verflucht. Der Fels drängt mich hinaus; also Hand aufs Herz und mit einem weitern Spreizschritt stehe ich in der Wand. An spärlichen, schlechten Griffen klimme ich noch einige Meter empor. Unter einen Überhang finde ich Stand und lasse Seppel nachkommen. Jetzt ist mein Kamerad an der Reihe. Verbissen kämpft er mit dem Überhang. Langsam, Zoll um Zoll drückt er sich höher, bis er meinen Blicken entschwunden ist. Weiter oben hilft ihm unser Abseilhaken. Noch einige brüchige schwere Wandstufen und wir stehen wieder auf dem Westgrat. Zum zweiten Mal. Jetzt beginnt Neuland. Werden wir den abschreckenden Gipfelbau bezwingen können? Einige Seillängen verfolgen wir noch den Grat, dann müssen wir wieder in die Südwand. Das Gestein wird schlecht, alles ist lose. Wir dürfen nur auf Druck klettern um uns mit samt dem Kalkschreberhaufen eine Luftreise zu ersparen. Etwa zwanzig Meter über uns scheint der Gipfel zu sein- aber wie hinaufkommen? Ein überhängender Kamin trennt uns noch von unserem Ziel. Wechs-ler, der wieder führt bemüht sich schon seit einiger Zeit um den Wulst hinter sich zu bringen. Vergebens. Seine Kraft reicht nicht mehr dazu. Mit den letzten Kräften kann er noch einen Haken schlagen und sich wieder zu mir abseilen. Bis unters Dach habe ich es wesentlich leichter, habe ich doch durch den Haken Seilzug von oben. Von unten sah die Stelle harmloser aus, jetzt begreife ich Seppel, der trotz aller Anstrengung nicht mehr weiter konnte. Aber wir müssen hinauf, so knapp unter dem Gipfel darf es keine Umkehr mehr geben. In den Haken klinke ich meine Selbstsicherung ein und richte mich langsam auf, versuche mich am kurzen straffen Seilstumpen möglichst hochzu-schieben und über dem Felswulst noch einen Stift einzutreiben. Bange Minuten verstreichen. Wird der so schwer auf direktem Zug belastete Haken mein Gewicht aushalten? Weit oben sehe ich ein kleines Ritzli. Noch mehr muss ich mich strecken, jeder Zentimeter ist wichtig. Endlich sitzt ein kurzer, dünner Haken und ich kann mich am gesicherten Seil ausruhen. Über dam Bauch wird das Kamin etwas weniger steil, ist aber immer noch glatt und grifflos. Noch wenige Meter und wir standen auf dem Gipfel des Falkenturms, dieses einsamen Ber-ges, der so selten Besuch empfängt. Am liebsten würden wir wieder den gleichen Weg zurück abseilen, denn die Nordwand ist stark vereist und in Klet-terschuhen und ohne Pickel sicher sehr heikel. Aber wir wollen unser geplantes Unternehmen, die Traversierung, auch zu Ende führen. Mit äusserter Vorsicht klettern wir die verglaste Rinne hinab. Der Kletterhammer muss oft als Pickel dienen und kleine Kerben ins schwarze Eis ritzen. Auf schmalen Felsleisten queren wir in die Ostscharte und stampfen im tiefen weichen Schnee hinunter auf den Rossfirn. Der Aufstieg war schwer, gewiss weit schwerer als auf der vorhandenen Route und doch, ich freute mich königlich über unseren neuen Weg zum Gipfel. Wir haben etwas in die Sonne gerückt, dachte ich mir beim Abstieg durch die kalte unwirtliche Nordwand. Und wenn es auch nur eine Route auf den Falkenturm ist, so ist es doch ein Weg in die Sonne. Das Gestein ist schlecht. "Wir dürfen nur auf Druck klettern, um uns mit samt dem "Kalkschreberhaufen" eine Luftreise zu ersparen."



1961 wankte der Falkenturm
In der Nacht vom 27. auf den 28. Dezember 1961 löste sich am Kleinsten Spannort eine grössere Felsmasse. In mehreren Phasen stürzten über eine Million Kubikmeter Gestein auf Nidersurenen, unterhalb der Alp Stäfeli ab. Mit ungeheuerer Wucht zerbarst das Kalkschiefergestein nach dem Absturz und begrub den vorderen Teil der Alp Nider Surenen. Auf der Hanggegenseite wurde durch den Druck einige hundert Meter hoch alle Vegetation vernichtet. Der Felssturz umfasste den W- Gendarmen des Kleinsten Spannorts, der auf den schwarzen, nordwärts einfallenden Opalinusschiefertonen, welche von der hellen Dolomitenbank des Trias unterlagert sind, ab. Nach dem Felssturz hielt man von den grotesken Türmen des Falkenturms lange Zeit manierlich Abstand.

Spannort
Herrlichster Gipfel des Tales, du zwiefach getürmter
Mächtig gegründet im breiten Gefüge des grauen Gesteins.
Kraftvoll gegliedert mit Schatten und Lichtern zur Höhe strebend

Gotisch verjüngend die Bauten der prächtig sich zackenden Pfeiler
bis zu den krönenden Helmen die einsame Wolken noch
tragen.
Glühst du im Feuer des Abends so bist du den Menschen gegeben
da du uns Quader um Quader an Streben und Mauern erleuchtest.

Aber im Schimmer des Morgens, im Osten zum glühenden Tage

Zaghaft sich zeigend, erhellt dem Einen nur der dich erdachte
.
Dämmer noch hüllet dem Auge des Menschen dich,
Dombau des Höchsten. Ihm aber dienest du einzig.
Du lobest mit Wänden und Klüften schweigend
und betend zugleich. Ihn, dessen Zeichen du trägst.

E. Amberg

Deutung des Namens Spannort
Zur Erklärung des Namens Spannort bietet sich an:
SPAN (N) mittelhochdeutsch Streit, an. Nicht ganz auszuschliessen ist aber auch
SPAN, Holzspan, wegen des zerklüfteten, wildverzackten, spanartigen Aussehens des Massivs. UNB
Span
z.B. den Span theilen, die Misshelligkeit ausgleichen, so das jeder Theil etwas nachgibt.
Span
(zedel) Bestallungsbrief, welcher die Rechte und Pflichten eines bepfründeten Geistlichen enthält und alljährlich erneuert wird.
Spannen
Die Höhe, Breite und Länge eines Gebäudes mit Latten bezeichnen, ehe der Bau angefangen wird“.
(Schweizerisches Idiotikum, Franz J. Stalder 1832).

Sepp Huber

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