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KULTUR > Berge
Schlossberg 3132,6 m
Patriarch des Tales.
Ein majestätischer Berg mit grosser Geschichte und verschiedenen Gesichtern.
Wasserscheide zwischen dem Tal der Reuss und der Engelberger Aa.
Ortsinformationen
Handorgelduett Josef Zgraggen- Xaver Grossholz
aufgenommen 25.07.1923
Name
Sein Name klingt authentisch: Schlossberg. Seine Gestalt ist gewaltig, seine Form archaisch. Als Punkt, auf dem zwei „Liebende beisammen sitzen", beschreibt ihn die Sage und zwei in Stein verwandelte Prinzessinnen stützten als tragende, lotrechte Säulen sein breit gebogenes Dach.
Schön und wohlgeformt seien sie und versprechen im verwunschenen Schloss(berg) den Erlösern Aussergewöhnliches.
Erste Bergsteigungen
Für einige Alpinisten war der Schlossberg Schicksalsberg und hat in ihrem Leben Spuren hinterlassen. Es waren einheimische Engelberger Bergführer, die 1863 die Erstbesteigung schafften: Eugen Imfanger und Eduard Cattani von der Blackenalp aus. Geni Imfanger erlitt später den Bergtod. Ein Jahr später erst, 1864 datiert die erste touristische Überschreitung der Schlossberglücke durch den Urner Bergführer Ambros Zgraggen mit dem englischen Rev. Sowerby.
Form
Der Schlossberg ist ein nach Südosten in steilen Wänden abfallender Felsklotz, dessen nördlicher Teil Vorder Schloss, der südliche Teil Hinter Schloss heisst. Eine begletscherte, pultförmig aufgerichtete Masse von Hochgebirgskalk, ein graues Monument, nannte ihn der Urner Reiseführer 1902. Sein Dach wurde 1900 durch den Erstfelder Bergführer Gebhard Püntener mit den Alpinisten H. Brun Th. Herzog und A. Schweitzer überschritten. Vier Jahre später, am 18. August 1904 standen zwei wagemutige Männer auf der Schlossberglücke vor seinem 120 m hohen Südabsturz. Der Kletterer Hans Rütter und der couragierte Urner Führer Sepp Zgraggen durchstiegen die Wand trotz fehlender Kletterfinken bemerkenswert zügig.
Eisenstifte in der Südwand
Ihr Ziel, einen Klettersteig zu eröffnen, wurde wegen der angetroffenen Schwierigkeiten fallengelassen. Ein Jahr später tönt es anders. Urner Führer 1905: Im Sommer wird an der schwierigen Wand zwischen den beiden Bändern ein etwa 20 m langes, mit Knoten versehenes Seil angebracht werden.
Dabei hämmerte im Engelberger Tal der Klosterschmied im Auftrag von Placidus Hess bereits an 90 runden Eisenstiften. 20 mm Durchmesser und eine Länge vom 30- 40 cm sollten die geschmiedeten Eisen haben und in die Schlossbergsüdwand eingemeisselt werden. Hinter dieser Idee standen die touristisch interessierten Engelberger Führer: Josef Kuster, Hermann Hess, Jakob Hess vom Horbis, Eugen Kuster sowie der Führerobmann und Thalamann Ed. Cattani. Ihr Ziel: Ein Touristenweg. Bereits lagerten 50 Eisenstifte in der Spannorthütte, als unter der Führerschaft Widerspruch entstand. Einige sahen ihre Arbeit als Bergführer gefährdet, für andere gab’s die Alternative Normalroute. 20 dieser monumentalen Eisenstifte wurden dennoch in die Wand gespitzt, dazu zwei sehr beachtliche Abseilringe. Der Zustrom von Kletterern hielt sich trotzdem in engen Grenzen.
Der „Schlosschessel"
Der „Schlosschessel", dieser gewaltige Lawinentrichter mit seinen tiefen Gletschermühlen wurde 1911 erstmals erklettert durch die beiden AACZ- Kletterer C. Egger und G.Miescher. Die späteren Versuche einer direkten Route durch den Russen Peskin buchten trotz längerer und wiederholter Belagerung keinen Erfolg. Peskin verlor sein Leben in den Ostalpen. Mehr Glück hatten von der Spannorthütte aus Sepp Wechsler und Dany Ginora 1936 in der Südwestwand. 1956 sorgte Kurt Grüter zusammen mit Adolf Hüsler und Alois Fleischmann für eine gewaltige Steigerung: Mit der Route über den markanten Pfeiler wurde in der Schlossbergwestwand erstmals der 6. und damals zugleich schwierigste Grad geklettert.
Vom Schlossberg fasziniert
Anspruchsvolle Kletterrouten im Bereich des 7. und 8 .Schwierigkeitsgrades bietet die ca. 800 Meter hohe Kalkbastion der Schlossbergwestseite. Eine davon trägt die Handschrift der beiden Alpinisten Kurt Grüter und Gerry Egloff. Bereits 1964 versuchte Grüter zusammen mit Sepp Inwyler das Unmögliche. Nach hundert Metern stoppte ein Unfall die Seilschaft. 1971 packte Grüter mit dem ausgezeichneten Mehrkampfsportler Gerry Egloff die Wand nochmals an. Da beide während der Woche ihrer gewohnten Arbeit nachgingen, benötigten sie verschiedene Wochenenden, um ihr Meisterwerk zu vollenden. Fixseile, brandneues Material aus den USA und mutige Entschlossenheit verlangten schliesslich 12 Tage harte Arbeit. Einsatz und Material: 31 Seillängen, das Hochziehen von 100 kg. Material inkl. 50 lt. Wasser, 280 Sicherungspunkte, jede Menge Haken und Holzkeile, darunter 60 vom Mechaniker Gery hergestellter Borhaken, der Einsatz von oft heiklen Skyhooks, die gelegentlich in einem von Hand gebohrten Loch angebracht wurden.
Die Eröffnung der Schlossbergwestwand galt zu dieser Zeit zweifellos als die schwierigste Felsroute der Schweiz.
Es dauerte 4 Jahre bis zur ersten Wiederholung, dafür in Rekordzeit. In eindreiviertel Tagen sorgten die bekannten Kletterer Ivor Ganahl und Toni Holdener mit ihrem Durchstieg für grosse Verblüffung. 1981 gab der junge Ueli Bühler noch eins drauf. Er kletterte die Wand innert zwei Tagen im Alleingang. In den Sommermonaten 1993 und 1994 durchforschten die wohl besten Kletterer ihrer Zeit, die Gebrüder Ives und Claude Remy die breite Wandflucht nach kletterbaren Routen. Das Resultat sind zehn moderne Freikletterrouten, die teilweise mitten in der Wand enden. An der abweisenden Steilheit und der gewaltigen Höhe hat sich an der Westwand des Schlossbergs nichts geändert. Umso grossartiger erscheint im Rückblick das Stück Klettergeschichte vom Sommer 1971.
Um die lotrechten Säulen des breit geformten Schlossbergs ranken uralte Sagen:
Unter dem Dach vom verwunschenen Schloss, dessen unFluhwände wie verwitterte Säulen den riesigen Bau umstehen, harren zwei in Stein zwei verwunschene Prinzessinnen, die das Dach vom vorderen und hinteren Schlossberg stützen auf ihre Erlösung hoffen. Wohlgeformt seien die Schönheiten, die als tragende Säulen ihren Erlösern aussergewöhnliches versprechen.
Nach einer anderen Quelle feiern zwei Liebende, fernab von Mendie ihre Bezienicht akzeptierten, ihren Bund als Geister in einem Schlosse, das Gott selbst gehat. Der Punkt, wo man sich das Schloss denkt, führt den Namen Schlossberg.
Text: Sepp Huber