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KULTUR > Erstfeldertal
Schattig Chatzämüüsig
Ortsinformationen
Täm- tärä- täm...
Seit über 75 Jahren tönt vom Schattigen her eine seltsame Fasnachtsmalodie. Unterschiedlich ist in den verschiedenen Urner Gemeinden der Rhythmus, einheitlich der Grund: Fasnacht.
Das gibt es nur in Erstfeld
Was es jedoch nur in Erstfeld gibt, ist die Schattig- Katzenmusik. Die sonderbaren Klänge tönen von Petrolfässern, einem Eisentank und getragen vom Takt eines schallenden Eisenbahnpuffers.
..und dies seit 1931
1931 brauchte es für einige junge Burschen aus diesem Gebiet, das wegen der knappen winterlichen Besonnung Schattig genannt wird, für den Aufbau dieser neuartigen Instrumentierung keine Reglemente. Geld hatten sie ohnehin nicht, vorhanden war die Melodie, Idealismus und die Begeisterung, etwas Ungewöhnliches anzupacken. Die alte Gasse ins Erstfeldertal war dem Neubau des Talweges gewichen, das EW- Bocki im Gespräch, Erstfeld war im Begriff, sich zu verändern. Von dieser Erneuerungs- Hochstimmung gepackt, entwickelten einige Jugendliche, die heute noch bestehende Schattig- Katzenmusik.
Vom Bruchen her.....
Eisenpfannen, Petrolfässer, alte Fräsblätter, der Puffer eines Eisenbahnwagens, alles was Lärm erzeugen konnte wurde zusammengetragen. Gefühlvoll oder taktisch mit Hammer und Holzknüppeln wurden diese Klangkörper bearbeitet, bis der Rhythmus des Katzenmusikmarsches gefunden war.
Nicht nur eitel Freude
Dass dieses dröhnende Petschgä nicht nur eitel Freude auslöste ist verständlich. Dennoch sponserte der spätere Gemeindepräsident Emil Aschwanden die Initianten wohlwollend mit einem weiteren Fräsblatt. Immer auf der Suche nach optimalem Widerhall verlegte man das Trommeln unter die grosse Linde in Marty’s Weidli, wo man bis zum zweiten Weltkrieg trommelte. Dann zügelten die Schattigen zum Jützstei in der Brüüchä-gand. Weil dieser Standort für die Resonanz ungünstig war, verlegte man ihn erneut.
Der nächste Trommelplatz war befand sich fünfzig Meter oberhalb vom Jützstei, bis schliesslich die höhlenartig geschützte Einbuchtung unterhalb eines grossen Felsens in der ersten Bruchenkähle für gut befunden wurde. Mit Beginn des zweiten Weltkrieges reduzierten sich die Auftritte, doch auch diese Zeit ging vorbei, und neue Gesichter erschienen auf dem inzwischen ausgeebneten Probeplatz. Die zusätzlich erforderliche Instrumentierung erfolgte vorsichtshalber bei einbrechender Dunkelheit. Dennoch musste eine 4 Meter lange Eisenbahnschiene, allerdings begeisterungslos, wieder zum rechtmässigen Eigentümer, dem alten Heiri- Very, zurückgeschleppt werden.
Was mit viel Idealismus begann, wurde bald zur Erkennungsmelodie für die nachfolgende Erstfelder Fasnacht und entwick-elte sich zum Bestandteil der aufkommenden Fasnachtsumzüge. Und die Schattig Petschgätä im Bruchen ist bis heute Bil-dungsstätte junger Katzenmusiker und geselliger Treffpunkt zugleich.
Von der Flüe her….
1986 erfolgte auf Initiative von Sepp und Resly Huber auf der Flüe sowie Ruedi Püntener eine zusätzliche Belebung der Schattig Fasnacht. Der Standort unter dem Reservoir Flüe ist für jedermann zugänglich, die Instrumentierung ist die gleiche geblieben. Gross und Klein trommeln auf den Petrolfässern in die kalten Winternächte und gute Geister versorgen die Jungen und Junggebliebenen Schattigen. Heute wird die Schattig Katzenmusik im Teamwork organisiert. In geräuschvoller Entfaltung und einem zusätzlichen täm-tära-täm feierten sie 2005 das 20- jährige Jubiläum und übergaben mit den letzten Petschgätä wie üblich, das Zepter der Erstfelder Dorf - Fasnacht.
Gründungsmitglieder der Schattig Chatzämüüsig
Zurfluh Alois
dr’ Marty Wisi
1918 - 2005
Aschwanden Paul
Schwander Paul
1924
Zurfluh Paul
ds’ Marty’s Paul
1920 - 1999
Zurfluh Franz
dr’Radiger Fränz
1924
Püntener Sepp
Sagä Sepp
1920 - 1984
Püntener Ernst
z’Heirijülis Ernst
1925 - 2001
Zurfluh Emil
z’Marty’s Miggel
1923 - 1991
Walker Peter
z’Baschelers Peter
1925 - 2004
Zurfluh Karl
z’Martys Kischä
1927
Wyrsch Hans
z’Ambeissy
1927 -2008