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Mühle unter der Flüe

KULTUR > Erstfeldertal

Mit Ausnahme des Urserentales verfügte bis etwa 1870 jede Urner Gemeinde über mindestens eine Sägerei. Als vermutlich ältester Handwerksbetrieb der Gemeinde Erstfeld ist bereits im 16. Jh. die "obere Säge unter der Flüe" am alten Weg zum Erstfeldertal, belegt. Vorhanden war eine Oelmühle, welche aus Baumnüssen unter anderen auch Öl fürs „ewige Licht“ produzierte. Zu sehen sind noch das Wellenlager des Wasserrades und die Mühlsteine.
Vom ehemaligen Besitzers
Gnos erwarb nach 1880 Gustav Aschwanden den Sägereibetrieb, der 1912 auf dessen Sohn Emil überging. Heute (2009) lebt unter dem neuen Wohnquartier im ehemaligen Rain bereits die 5. Generation der Familie Aschwanden Familie unter den Flühen.
Während die Öeltrotte abgebrochen ist, besteht ein Teil der Sägerei noch.


Bild unten links:
F. Salathè 1821
Bild rechts: Urner Bauernhäuser, Dr. Benno Furrer


Erwähnungen

Im 17. Jh. belegt die Spitallade von Erstfeld:

"Kundschaft über ein Metteli under den Flühen daruff die Sagen statt."
1621: "Mülj zu Erstfeld, under den Flüeÿen gelegen". (Ub. Pfk. Sisikon, UNB Bd 1).

Ambros Josef Wipfli (Aus dem Stamme der Wipfli, Schulmeisters) war im Sagenmätteli wohnhaft
(geb.11.06. 1731, verh. 19.11. 1764 mit Maria Josefa Zimmermann).

Sohn Josef Maria Wipfli geb. 30.12. 1785, verh. mit Marianna Ulrich von Brunnen.
Ihre Kinder: Anna Josefa, geb. 1834, Josef. geb. 1835, Dominik geb. 1837, (Lehrer und Organist), Anton, geb. 1838, Marianna, geb. 1839.

1790: Hält das Urbar der Pfarreikirche Erstfeld fest:
"ab haus, sagen Mateli und Reibe zu Erstfälden gelegen, stost .. an den Mülle Vnd sagen bach".

1818: "ab meinem haus und hofstadt unter den Flühen in Erstfeld, stost an .. Joh. Jos. Furgers Bruchen .. an die gass nach dem thal… an Joh. Gnossen sagen mättelin .. an die bruchenplatten".( Ub. Pfk. Erstfeld).

Reibe: mechanische Einrichtung zum Reiben von Hanf, Flachs (auch Körnern und ähnliches).
Rotzi, Rozäli:
Waldpartie zwischen der Flüe und der heutigen Überbauung unter der Flüe.
ahd. rozen : Hanf/ Flachs rösten, den Stängel erweichen, mürbe machen, sodass der Bast leicht abgelöst werden kann. Längst verschwundene Tätigkeit des Flachröstens.
(…) auch die Rozenen auf der Allmend sind aberkannt und verboten und zwar bei Fr. 8.79 Busse.


Früher waren die Nüsse auch Zahlungsmittel und in Altgülten trifft man auf Hinweise zugunsten der Kirchen:
„jährlich ein halbes viertel Nuss Oelgrät der löbl. Pfarrkirche in Erstfeld“ (Altgülte Plattenberg, 1753).
„Samt einem viertel Nuss und ein finlich Wachs der hh. Kirche zu Erstfeld“ (1759 Spätach).
Aus dem dunklen, wunderschönen Nussbaumholz werden heute noch Möbel gefertigt, aber es ist rar geworden. Viele Bäume fielen 1789, andere wiederum 1956 der Winterkälte zum Opfer. Zudem haben günstige Nüsse aus wärmeren Ländern und Substitute für Nussöl das Interesse an der Nutzung des Nussbaums schwinden lassen. Mit dem Ausbruch des Ersten Weltkrieges ging der Reichtum an Nussbäumen nochmals zurück, sein Holz diente zur Herstellung von Gewehrkolben, wurde unter anderem aber auch für den Lawinenschutz verwendet. Dabei ist der Nussbaum ökologisch speziell wertvoll, nicht nur, weil er ohne Pflanzenschutz wächst, sondern auch, weil die Nusskerne Vögeln, Eichhörnchen und anderen Nagetieren als Nahrungsquelle dienen.

Für das Schütteln der Allmendnüsse galt folgender Erlass:
„Die Allmendnüsse zu schütteln ist jährlich am Tag nach dem hl. Kreuz- Tag erlaubt, wenn es ein Werktag ist, sonst aber erst am darauf folgenden Werktag. Wenn aber wegen schlechter Witterung die Nüsse dann noch nicht reif sind, so mag der engere Rat die Zeit weiter zurückstellen. Auch soll man in jeder Gemeinde mit dem Nussschütteln nicht früher, als wenn daselbst zur Messe läutet, anfangen dürfen, bei Fr. 17.58 Busse, wovon dem Kläger ein Viertel zukommt. Die zu früh geschüttelten Nüsse aber fallen der Kirche anheim, in welcher sie geschüttelt wurden
“. (Alt Landbuch)



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