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Geschichte der Kröntenhütte

KULTUR > Erstfeldertal


Im Urner Reusstal geht es an manchen Punkten sehr laut zu. Im westlich abzweigenden Erstfeldertal aber herrscht Frieden und Stille. Hoch oben breitet sich dort das felsige Reich aus, mitten drin steht auf 1903 m das steinerne Refugium der Kröntenhütte, Sektion Gotthard SAC.
Copyright-Sepp Huber


Geschichte der Kröntenhütte

18 Jahre nach der Gründung des Schweizerischen Alpenclubs 1863, war auch im Kanton Uri die Zeit reif für eine alpine Organisation. Auf Einladung des Wassner Regierungsrats Heinrich Walker, versammelten sich am 24. April 1881 dreissig Männer aus dem unteren und oberen Teil des Kantons Uri im Gasthaus Kreuz in Amsteg. Sie genehmigten den vorliegenden Statutenentwurf und hoben mit diesem formellen Akt die neu gegründete Sektion Gotthard des SAC auf der Taufe. Arbeit war genügend vorhanden. Das Rettungs- und Bergführerwesen war zu organisieren, zudem beschäftigten sich die „Gotthärdler“ bereits 1884 mit dem Bau einer eigenen Clubhütte.


Zuerst aber tastete sich der in Erstfeld wohnhafte Sektionspräsident, Betriebs- Inspektor von Röder vorsichtig an die Sektion Pilatus, um eventuell deren Hüfi- Älpeli- Hütte im Maderanertal zu übernehmen. Schliesslich übernahm der Vorstand der Sektion Gotthard gemäss Vertrag für einige Jahre [1886- 1896] den Unterhalt über die Luzerner Hütte. Eine angestrebte Übernahme blieb erfolglos. Nicht weiter verfolgt wurde der Plan einer Clubhütte im Maderaner- Brunnital. Der Standort erwies sich nach genauen Abklärungen als nicht geeignet.

Das Ziel der
Gotthärdler war definiert. Eine eigene Hütte im eigenen Kanton. Eine dafür eingesetzte Kommission sollte 1885 die Grundlagen abklären. Ratsherr Franz Huber, Kantonsförster Müller und Säckelmeister Püntener wurden beauftragt, Terrainstudien für eine passende Baustelle sowie Pläne und Kostenvoschläge vorzunehmen. 1887 glaubten die Erstfelder Mitglieder, mit der Miete einer Unterkunftshütte im Erstfeldertal eine Lösung gefunden zu haben. Schliesslich regte Präsident, Ingenieur Max Stocker, an der Generalversammlung von 1899 im Hotel Schlüssel in Altdorf, den Bau einer Clubhütte im Erstfeldertal an. Der Verein zur Förderung des Fremdenverkehrs im Kt. Uri sicherte der Sektion an die Projektierungskosten im Falle einer Ausführung Fr. 100.-- zu. Da bewarb sich der Erbauer der Muttseehütte, der Glarner Julius Becker aus Ennenda, unerwartet um diesen Auftrag. Mit dem Betrag von Fr. 500.-- eines ungenannt sein wollenden Spenders offeriert den Bau für Fr. 3300.--. Die Bedingungen für eine Zusage schienen aber nicht reif zu sein.

Baubeschluss 1890 in der Brauerei Reiser, Altdorf
Am 20. Oktober 1899 präsentiert der neue Vorsitzende, Oberförster Albert Müller, erneut den Plan einer Hütte im Erstfeldertal. Nachdem er vom CC des SAC einen grosszügigen Kostenbeitrag erwirken konnte, beschloss die einberufene Sektionsversammlung vom 18. Mai 1890 in der Brauerei Reiser in Altdorf der Bau den Bau einer Hütte am Fuss vom Oberändli. Mit verbindlichen Kosten von Fr. 2'580.-- erhielt der Erstfelder Bau- und Zimmermeister Sebastian Loretz den Zuschlag, die Hütte im Erstfeldertal zu bauen. Der als einfacher Holzbau konzipierte Blockbau auf gemauertem Bruchsteinunterbau hatte das Aussenmass von 3.34 m Breite und 7.35 Länge und bot für 20 Personen Unterkunft.

Der Baugrund gehört der Korporation Uri.
"Die Sektion Gotthard des SAC wünscht zur Erleichterung von Bergtouren und zur Erhöhung des Fremdenbesuches im hiesigen Kanton den Bau einer Alpenclubhütte in der Nähe vom Obersee am Fusse des Krönten. Die Baukosten sollen sich auf Fr. 3’300.-- belaufen, ein Drittel davon entfällt auf den Transport. Der in Aussicht genommene Grund und Boden ist felsiges Terrain und befindet sich nicht in der Ebene vom Obersee sondern am Grat des Obersee-mändli auf einer Höhe von ca. 2000 m und nahe an der Gletschergrenze. Die Baustelle hat für alpwirtschaftliche Zwecke soviel wie keinen Wert. Mit Rücksicht auf die Gemeinnützigkeit des Unternehmens unter dem Vorbehalt einer Zweckentfremdung wird der Pendentin der erforderliche Baugrund von höchstens 80 m2 Fläche Kon-zessionsweise zur Benützung für 30 Jahre bewilligt.“ (Korporation Uri)

Bild unten: Einweihung der ersten Kröntenhütte


Einweihung der ersten Kröntenhütte am 28. Sept. 1890
Bei schönstem Wetter wurde am 28. September 1890 die Klubhütte der Sektion Gotthard im Erstfeldertal eingeweiht. Sie bietet Raum zu Übernachten für über 20 Personen und ist in der Reihenfolge die 86. Hütte welche der SAC erstellt, beziehungsweise subventioniert hat. Die Hütte liegt etwa 4 Stunden von Erstfeld, nahe am Ausflusse vom Obersee und bietet schon von weitem mit der talwärts gerichteten Giebelseite den Anblick einer Kapelle. Sie ist massiv in Holz gebaut und für die notwendigsten Bedürfnisse mit durchgehenden Pritschen, Ofen, Kochherd, freundlich eingerichtet. Zur Feier hatten sich etwa 25 Klubisten, nahezu die Hälfte Urner, eingefunden.


Festmahl: Murmeltierbraten, Risotto und Champagner
Der von der Sektionsversammlung bewilligte Kredit von Fr. 200.-- für die Einweihung wurde für das Festmahl verwendet: Erbensuppe, Gemspfeffer, Murmeltierbraten, Rissotto, Itlaliener und Champagner. Dann folgte die Einweihung durch den Vizepräsidenten des SAC, Pfarrer Dr. Buss aus Glarus. In feierlicher Rede übergab er das gemeinnützige Bauwerk der Sektion Gotthard als Eigentum.
Sektionspräsident Albert Müller dankte mit einem Rückblick auf die Entstehungsgeschichte und als gewandter Fotograf gelang ihm von der Hüttenweihung eine prächtige Gruppenaufnahme. Gegen Abend traten einige den Heimweg an, während 21 Personen in der Hütte übernachteten und am anderen Morgen den Taufpaten der Hütte, den Krönten bestiegen und dort die herrliche Fernsicht genossen.


Entweder Unterstützung - sonst Liqidation
Nur drei Jahre nach dem Bau bereitete 1893 die Restfinanzierung der Kröntenhütte Schwierigkeiten. Die Generalversammlung beschloss, mit dem CC in Verbindung zu treten. Ihre Vorstellung: „Es sollen wenigstens 80 % Unterstützung verlangt werden, ansonsten Liquidation der Hütte“! 1901 bewilligt das CC des SAC an die restliche Schuld Fr. 175.-- Damit ist das Kröntenhütten- und Clubdefizit beseitigt, was bei einigen guten Flaschen gebührend gefeiert wird, notiert der Aktuar Robert Epp. 1902 verzeichnet die Hütte 160 Besucher, doch nicht alle wussten das Refugium zu schätzen. 1903 wird berichtet: „Leider wird die Hütte von Bummlern und Bauern auf die traurigste Art und Weise ausgenützt und sogar auch beraubt, und solange diese Hütte ständig offen bleibt, bietet sich keine Garantie für die Zukunft, dass dieser Unfug aufhört“…

R
enovationsarbeiten 1904
1904 führte die Unordnung seitens der Mitglieder, Touristen, Führern und selbst vom CC des SAC zu verschiedenen Klagen. Zudem mussten Renovationsarbeiten ausgeführt werden. Feiner Triebschnee gelangte durch Dach- und Verschalungslücken in den Innenraum, ebenso wurden Feuchtigkeitsschäden entdeckt. Eine bessere Untermauerung und erhöhte Sockelmauern sollte dies beheben. Die Erstfelder Maurermeister Dietrich und Tresch übernahmen die notwendigen Arbeiten in Regie. Kosten Fr. 800.--, CC Beitrag Fr. 550.--


Der erste Urner Führer, AACZ 1905, stellt die Kröntenhütte vor:
Kröntenhütte, 1920 m. Eigentum der Sektion Gotthard des SAC. Die Hütte liegt am linken Ufer etwa 20 Schritte vom Bache entfernt in einer Höhe von 1920 m, und zwar am oberen Rande des Wasserfalles, in welchem der Abfluss vom Obersee zur Ebene des Fulensees stürzt. Die Hütte ist an die Felswand angebaut, welche sich an der Nordseite des Obersee- Männtlis entlang zieht. Fassungsraum 26- bis 28 Personen. Mit Brennholz verorgt, Wasser am Bach neben der Hütte. Vom Sommer 1905 ab soll die Hütte einen Hüttenwart [Senn Huber auf der Kühplankenalp] erhalten. Derselbe soll jeweilen samstags und sonntags auf der Hütte sein und an den übrigen Tagen die Hütte abends besuchen. Auch ist eine einfache Verproviantierung der Hütte vom Sommer 1905 ab geplant.

Der Hüttenwart durfte Lebensmittel zu offiziellen Preisen abgeben um sich neben Holz- und Küchentaxen etwas Verdienst zu verschaffen. Die Abgabe von alkoholischen Getränken war nicht gestattet. Als Zugang wurde Weg über die Alp Chüeplangg empfohlen, vom schlechten und nicht ausgetretenen Geissfad wurde abgeraten.


Küchengeschirr nach Gebrauch reinigen
Die Ordnung war immer noch Thema: „An einem Samstagabend erreichten wir freudig die Hütte. Zu unserem Befremden trafen wir eine arge Unordnung an, denn auf dem Tisch lagen noch Rückstände einer von Jägern ausgeweideten Gämse, schon etliche Tage alt.“. Empfehlung des Vorstands: Küchengeschirr nach Gebrauch zu reinigen, die Hütte zu schonen und mit dem Holz sparsam zu sein. Auch solle jedermann die billige Taxe für den Hüttenwart bezahlen. 1905 wurde der Zugang zur Kuhplanken – und Faulenseealp nach der Stäubenbrücke in der so genannten Wasserstiege mit erheblichen Mitteln von Bund und Kanton verbessert. Trotzdem bemängelt der Alpinspektionsbericht Uri den Viehweg, der an einzelnen Stellen immer noch bezu wünschen übrig lasse.

Vergrösserung der Hütte 1912
An der Generalversammlung vom 22. Januar 1910 im Hotel Hof in Erstfeld stellt der Architekt Oskar Jauch von Altdorf ein Projekt zur Vergrösserung der Kröntenhütte vor. Sein Kostenvorschlag in der Höhe von Fr. 3’300.-- wurde wegen der prekären Finanzlage von einer CC- Subventionierung abhängig gemacht. Nachdem das CC im Jahr 1911 an den geplanten Erweiterungsbau 60 %, maximal jedoch Fr. 2000.-- bewilligte, war das Bauvorhaben beschlossene Sache. Die Erweiterung der Kröntenhütte von 1912 erfolgte nach den Plänen der Firma Püntener und Sohn, (Sagen Püntener) von Erstfeld. Dem bestehenden Bau wurde ein zweiter, gleich grosser angefügt und über das ganze ein hohes Dach erstellt. Die Kosten beliefen sich auf Fr. 4’795.-- Die erweiterten Schlafplätze verfügten nun über zusätzlichen Fenster. „Püntener hat ein tüchtiges und solides Werk erstellt“. Zugleich wurde der Fulfad neu markiert und die Ebene vom Fulensee gangbar gemacht. Nachtgefährliche Bachübergänge und trügerische Sumpfstellen erhielten eisenbetonierte Brücken. Die Einweihung fand am 8. September 1912 in einfachem Rahmen statt, die markante Bergpredigt hielt der Erstfelder Pfarrhelfer Kälin.

Urner Wochenblatt Juli 1905

„Es wird die Klubisten und andere Kraxler freuen zu hören, dass die Kröntenhütte in Herrn Huber, Plankenalp, einen ständigen Abwart erhalten hat. Er und seine dienstbaren Geister werden nicht nur für gute Ordnung sorgen, sondern auch im Juli und August auf Verlangen Milch, Tee Brot, Käse und Fleischkonserven zu festgesetzten Preisen abgeben.

Über den Faulenbach ist eine flotte Brücke erstellt und stellenweise die Wegmarkierungen erneuert und verbessert worden; für letztere Arbeit gebührt speziell Hr. Hächler in Erstfeld.

Und nun ergeht an alle die herzliche Einladung zum Besuche des herrlichen Erstfeldertales, der Kröntenhütte und Umgebung; doch halte jedermann die Hütte und ihr Inventar in Ehren! Im Herbst soll eine bescheidene Einweihung der renovierten Hütte stattfinden, verbunden mit dem Besuche des Clubfestes in Engelberg“.

Bild rechts:
Michi- Sepp ( Josef Huber- Wipfli)

Beschädigung der Hütte 1920

Am 22. Februar 1920 bemerkten Sektionsmitglieder auf einer Skitour, dass die Kröntenhütte durch einen vereisten Wächtenabbruch stark beschädigt war. Der Abbruch erfolgte vermutlich nach den starken Weststürmen im Januar des gleichen Jahres. Vom Felsen des Bergrückens des Oberseemandli beschädigte der Aufprall einer niederstürzenden Wächte die Hütte, verschob sie aus dem Fundament, drückte die Hüttenwandungen ein und verden ganzen Oberbau. Die Hütte wurde vorerst behelfsmässig verankert und im Mai soweit hergerichtet, dass sie für den kommenden Sommer wieder Unterkunft bieten konnte. Expertisen und Kostenberechnungen führten jedoch dazu, auf die totale Instandstellung der Hütte zu verzichten und dem Neubau an einem sicheren Ort den Vorzug zu geben.

Bild unten:(1964)
Sepp Huber, Emil Epp und Franz Tresch (rechts)

Keine Begeisterung
Der Zürcher Architekt Gustav Kruck war von der vergrösserten Hütte ohnehin wenig begeistert. „Die vergrösserte Kröntenhütte war äusserlich ein schmucker Holzbau und bot verhältnismässig viel Platz: In der Anordnung und Ausgestaltung der Räume wies sie aber viele Mängel auf, dass 1919 ihr Umbau in Aussicht genommen wurde. Ihre Herrichtung in den früheren Zustand wäre vielleicht mit einem Aufwand von etwa Fr. 6000.-- möglich gewesen, hätte aber nie befriedigen können. Sie gleichzeitig zweck-mässig umzubauen hätte mindestens 20'000.-- Franken erfordert. Aber auch dann wären noch Mängel vorhanden gewesen. Zu alledem kam der Nachteil und die Gefahr ihrer Lage".

Standort und Baubeschluss
Der vielfach erwogene Gedanke, die Hütte am Grat gegen das Oberseemänndli oder auf die höchste Kuppe der Ellbogenalp nördlich des Pauckenstockes zu stellen, wurde vor allem wegen höheren Baukosten fallen gelassen. Nach stundenlangen Sitzungen für einen Neubau an lawinensicherer Stelle wurde als Baustelle ein Platz auf dem nach Nordwesten geneigten Plateau gewählt, das sich vom Pauckenstock gegen den Fulensee hinzieht.

Am 18. Dezember 1920 beschloss eine ausserordentliche Generalversammlung den Kostenvoranschlag von Fr. 40'000.-- für den Neubau der Hütte in begeisternder Einstimmigkeit. Das CC bewilligte daraufhin einen Beitrag in der Höhe von 80 %. Zwei Monate später entschloss sich der Vorstand für das Projekt des Zürcher Architekten und Stadtrats Gustav Kruck, das insgesamt 50 Pritschenplätze vorsah.

Der Bau aus dem Blickwinkel des Architekten Gustav Kruck
Bei der Projektierung der Baute trachtete ich danach, die grosse Zahl von Pritschenplätzen neben ausreichenden Wohnräumen in möglichst knappen umbauten Raum unterzubringen. Die Lösung lag in der Anordnung der Doppel-Pritsche im Dachgeschoss. Die 15 unter den Dachfirst gelegenen Pritschenplätze sind bequem und leicht zugänglich. Das genau der alten Kröntenütte entsprechende, für Klubhütten etwas hohe Dach ermöglichte im Dachgeschoss auf einen Innenraum von nur 9 m Länge und 6 m Breite 40 Pritschenplätze bequem und mit guter Zugänglichkeit anzuordnen.

Die Hütte ist ein zweigeschossiger Giebelbau von 10,30 Meter äusserer Länge und 7,3 Meter äusserer Breite. In rauen, vielfarbigem
Hornbledeschiefer- Mauerwerk, das Zementmörtel zu eisenharter Masse verbindet, ragen die Umfassungen aus ihrem felsigen Untergrunde empor. Eine Terrasse mit Sitzbankbrüstungen und gemauertem Tisch verbindet den Bau mit dem Umände. Ein braunes Schindeldach deckt ohne Holzgesimse auf wenig vorspringender roher Steingurte aufruhend, den Bau.

Schwarz und gelb geflammt weisen die Fensterläden die stolzen Urnerfarben, Fenster und Türe und Wappen und Dachränder leuchten in satten Farben. Der Bau ist dreiteilig, zwei Pfosten tragen den ganzen inneren Raum und das Dach. Der ganze Bau, Wände Decken und Dachuntersicht ist innen getäfelt. Der Eingang ist in der Mitte der südwestlichen Längsfront. Vom Vorraum aus gelangt der Besucher durch einen Windfangabschluss in einen Mittelgang hinter dem sich die geräumige Küche befindet.

Links des Vorratsraums hat der im Sommer ständig in der Hütte anwesende Hüttenwart seine abgesonderte Pritsche, rechts geht’s durch die Treppe in das Obergeschoss.

Längs der nordwestlichen Giebelfront mit schönem Blick auf die Schlossbergkette und auf den Fulensee befindet sich der Wohnraum mit 30 Tischplätzen. Längs der südöstlichen Giebelfront ist, von Küche und Gang durch eine kleine Blockwand abder Winterraum angeordnet mit zwei kleinen Pritschen zu je fünf Schlafplätzen, einem Tisch und einem kleinen Kochherd. Im Obergeschoss befindet sich längs der nordöstlichen Längsfront eine dreiteilige Pritsche mit 15 Schlafplätzen. Längs der Eingangsfront sind im Obergeschoss zwei abgeschlossene Räume mit je fünf Pritschenplätzen, deren nordwestlicher als Damenraum dient.

Über diesen Räumen ist in der ganzen Länge dem First nach eine weitere Pritsche mit 15 Schlafplätzen angeordnet, die vom Mittelgang aus bequem zugänglich ist. Insgesamt weist die Hütte 50 Pritschenplätze von je 60 cm Breite auf. Bei Massenandrang werden aber in der geräumigen Anordnung in der Hütte ohne Not 100 Mann untergebracht werden können.

Die freien Pritschen des Dachstockes sind durch Dachbinder in sechs Abschnitte abgeteilt, was dem Hüttenwart die Zuteilung an die Besucher sehr erleichtert. Der Winterraum im Erdgeschoss mit 10 Pritschenplätzen und der fünfplätzige Sonderraum und der Südostecke des ersten Stockes der Hütte sind ausschliesslich für SAC Mitglieder bestimmt.

Beginn der Bauarbeiten im Jahre 1921

Im Juni 1921 begannen die Arbeiten für das neue Bergheim. Am 5. Juni war die Baustelle festgestellt und der Bau am heutigen Standort abgesteckt. Der Juni verging mit Vorbereitungen, Rüsten von Steinen, Transport von Geschirr, Werkzeug, Zement und Sand und Abräumen der Baustelle. Am 2. Juli wurde in der nördlichen Ecke des Baues der Grundgelegt und am folgenden Tag die Höhenlage der Hütte bestimmt. Am 24. Juli waren die Umfassungen der Hütte schon auf Erdgeschosshöhe aufgemauert. Anfangs August wurde der Dachstuhl aufgerichtet, am 13. August war die Dachschindelung fertig gestellt. Da das Holz der alten Hütte in weitgehendem Masse am Neubau Verwendung fand, mussten die Arbeiter die bis anhin in der alten Hütte gewohnt hatten, am 11. August in der neuen Unterkunft schlafen.


Am 19. waren die Fenster angeschlagen, die Gebälke und Böden verlegt und die oberste Pritsche in Arbeit. Am 28. August waren die Maurerarbeiten im Wesentlichen fertig, die Schreinerarbeiten in vollem Gange.
Es wurden die äusseren Anstriche bestimmt, die Umgebungsarbeiten angeordnet und Bildhauer Kappeler begann mit dem Aushauen der Wappen und Inschriften in der dafür bestimmten Nische der Eingangsfront.





In der Woche vom 12. bis 17. Sept. wurden die inneren und äusseren Arbeiten zu Ende geführt. Der ganze Bau ist damit von der Grundsteinlegung an in der knappen Zeit von elf Wochen vollendet worden. Die Fassung einer Quelle, die Erstellung eines Reservoirs, die Leitung zur Hütte, ca. 300 m und die Installation in der Hütte besorgte der Hüttenchef Jean Oettli mit eifrigen Helfern. Auch die Zugangswege, besonders der neu angelegte Weg über den Geissfad wurde durch Frondienstarbeiten erstellt. Seitens der Sektion Gotthard bestand für die Durchführung des Neubaues eine fünfgliedrige Baukommission unter dem Vorsitz des Sektionspräsidenten, Baumeister Josef Baumann in Altdorf, dessen aufopfernder Hingabe der Hüttenbau viel verdankt.


Neubau der Hütte (1921) am heutigen Standort

Die neue Kröntenhütte braucht als Refugium auch eine Bewartung. 1922 wurde ein Hüttewarts Vertrag erlassen und die Stelle ausgeschrieben. Gewählt wurde aus sechs Bewerbern Emil Epp, Schreiner aus Bristen.

Einweihung der Kröntenhütte am 24/ 25. September 1921

Die am Sonntag, den 25. September im Beisein vom gegen 300 Personen eingeweihte Kröntenhütte mit 50 Schlafplätzen fand bei prachtvollem Wetter statt. Der beachtliche Bau mit Gesamtkosten von Fr. 54’000.--, war zu jenem Zeitpunkt der teuerste Hüttenbau des Schweizerischen Alpenclubs. Der Sektion Gotthard verblieben nach Abzug SAC Subventionen noch Fr. 22’000.--. Die Sektion Gotthard trägt die Last der Bauschuld gerne, denn sie ist auf ihre neue Kröntenhütte stolz.


Von besonderem Wert ist, dass sich die Sektion entschlossen hat, die Hütte nicht zu bewirtschaften. Niemals soll sie Gelagen dienen. Schutz und Schirm will sie sein dem, der die Schönheit der Berge erleben, in ihrer Reinheit gesunden will.



Baukommissionspräsident:
Josef Baumann, Baumeister, Altdorf
Hüttenchef: Jean Oettli

Am Bau der Kröntenhütte beteiligte Firmen
Bauarbeiten: Baufirma J. Bernath, Altdorf

Zimmer-Schreiner und Glaserarbeiten:
Gebrüder Gisler, Altdorf

Schindeldach: J.Püntener, Erstfeld

Malerarbeiten: C. Renner, Altdorf

Kochherd: Gebr. Denier, Altdorf

Beschläge und Leuchter: J. Baumann & Sohn, Altdorf

Transporte: Siegfried Gnos, Hofstatt, Erstfeld

Bildhauerarbeiten: Otto Kappeler ( 1884 – 1949)

Dekorativer Schmuck:
Heinrich Danioth, Kunstmaler, Altdorf (1896- 1953)

Vergrösserungspläne
An der Sektionsversammlung vom 26. Sept. 1934 in Erstfeld wird bereits wieder über eine Vergrösserung der Kröntenhütte diskutiert und im November dafür eine Kommission eingesetzt. Als Hüttenchef wählt die Versammlung Jakob Sigrist, Lokführer, Erstfeld. 1935 war das Projekt des Architekten Walter Götz aus Erstfeld zur Vergrösserung der Kröntenütte mit einem Aufwand von Fr. 30’500.-- Thema des Sektionsvorstandes und 1936 Hauptgeschäft an der GV in Altdorf. An die Kosten wird vom CC ein Beivon 40 % erwartet. Gemäss Finanzplan sollte die Schuld bis 1950 abgetragen sein.


Ausserordentliche GV
Vom bereits beim Neubau tätigen Zürcher Architekten Brähm liegt 1937 ebenfalls ein Projekt vor, dass 6’660 Franken günstiger ist und die Verbreiterung auf die südöstliche Seite vorsieht. Dadurch würde primär der Aufenthaltsraum vergrössert. Der Vorstand beschliesst, dieses Projekt der GV mit Kosten von Fr. 24'000.-- vorzuschlagen. Damit war für Zündstoff gesorgt, denn an der GV am 15. Januar 1938 wurde der Antrag gestellt, auf das Umbauprojekt Kröntenhütte gar nicht einzutreten.


Der Präsident begründete das Vorgehen, das Projekt wurde zuhanden des Vorstands zwecks weiterer Studien zurückgewiesen. Die ausserordentliche GV am 11. August 1938 erteilte dem revidierten Projekt Götz ohne Ausbau des Untergeschosses mit 70 Sitz- und 60 Schlafplätzen die Zusage. Das CC sicherte hierfür ein Beitrag von Fr. 8000.-- zu

Umbau der Hütte 1939/ 1940

Den Arbeitsauftrag erteilte die Baukommission inkl. Transport am 26. Juli 1939 an die Firma Fridolin Gisler & Sohn, Zimmereigeschäft, Bürglen. Unverzüglich wurde für den Transport eine Seilanlage erstellt, Rohrarbeiten verlegt und Steine gerüstet. Für die Vergrösserung wurde die nördliche Seite abgerissen, dann erfolgte am 1. September 1939 die Kriegsmobilmachung.

Zusammen mit den wenigen dienstfreien Arbeitern, Fronarbeitern und dank ausserordentlichen Anstrengungen des Hüttenwartes Emil Epp gelang es, trotz früh einsetzender Schneefälle, den Rohbau Ende Oktober zu beenden. Das CC inspizierte durch den Zentralhüttenchef am 11./12. November die getätigten Arbeiten und überwies den zuBeitrag von Fr. 8000.--. Eine in Erstfeld stationierte Infanterie- Saumkolonne übernahm bereitwillig gegen eine geringe Entschädigung den Transport des Inventars und des Dachmaterials bis in die Bodenberge. Noch vor Abbruch der Seilanlage konnte alles Material zu Aufbau des Ofens sowie alle Matratzen hochgezogen und in die Hütte transportiert werden.

Einweihung der Hütte 1940
Nach den letzten Vorbereitungsarbeiten fand ein Jahr nach Kriegsausbruch, am 1. September 1940, die Einweihung der Kröntenhütte in Anwesenheit von rund 350 Personen statt. Clubkamerad Pater Franz Xaver Muheim stellte in seiner Bergpredigt das Refugium unter den Machtschutz Gottes. Für die geladenen Gäste war das Mittagessen in der Hütte vorbereitet, die Besucher konnten am grossen
Wellchessi Suppe fassen.

Für die Durstigen war auch gesorgt und das Alkoholverbot ausser Kraft gesetzt. An die erhöhte Bauabrechnung von Fr. 34’924.-- leidas CC einen Zuschuss im Gesamtbetrag von Fr. 10'000.--. Während der Mobilmachung zeigt die Übernachtungskurve durch Belegung des Militärs steil nach oben. 1952 ist die Bauschuld der Hütte per Saldo bereinigt, 1953 wird der Spenglermeister Tony Bless neuer Hüttenchef. Auf Antrag des Vorstandes beschliesst der Urner Regierungsrat 1956, die Umgebung der Kröntenhütte im Umkreis von 300 m als Jagdschutzgebiet für Murmeltiere zu erklären. Die Hütte bot im Untergeschoss 20, im Obergeschoss 33 und im Dachstock 20 Schlafplätze, Total 73. Im Parterre standen in der Stube 49, im SAC- Raum 26, und im Schlafraum 10, total 85 Sitzplätze zur Verfügung.

Renovation der Hütte 1967
Mit dem geplanten Kraftwerkbau im Erstfeldertal soll auch die dringende Renovation der Kröntenhütte vorgenommen werden. Dies beschloss die GV vom 18. Januar 1964 in Erstfeld. Architekt Josef Utiger, der eine Erhöhung der Schlafplätze vorsieht, rechnet mit Kosten von Fr. 87'000.-- Das CC sicherte 40 % der Kosten, jedoch höchstens Fr. 33’000.-- zu. Für die Restschuld wurde ein Sonderbeitrag von Fr. 2. — beschlossen.

Erstmals wird das Baumaterial per Helikopter transportiert. Neben der Sanierung verschiedener Räumlichkeiten wurde unter anderem das alte Schindeldach durch ein Kupferdach ersetzt. In der Küche gab es einen neuen Kochherd und unter der neuen Fensterfront einen modernen Abwaschtrog. Neu gestaltet wurden die WC- Anlage und mit der Installation eines Telefons mit Richtstrahlverbindung erstmals die Kommunikation ins Tal ermöglicht. Erneuert wurde die Wasserfassung mit der Brunnenstube, im Kellerraum wurden neue Schlafplätze geschaffen und der Winterraum erhielt einen neuen Kochherd. Im Juni 1967 begannen die Bauarbeiten und am 8. Oktober bei der Einweihung strahlten die neu gestrichenen Fensterläden mit dem neuen Kupferdach um die Wette. Mit dem Umbau wurde die Kapazität der Hütte auf neu 86 Schlafplätze erweitert.

Hüttenwartswechsel
Nach dem Umbau von 1967 endete die Ära des Hüttenwartes Emil Epp, der seit 1922 als Hüttenwart 46 Jahre lang das Geschehen auf der der Kröntenhütte prägte. Abgelöst wurde er durch Sepp und Marie Theres Huber aus Erstfeld.

1973 interessierte sich niemand für die freie Hüttenwartsstelle, sodass der Hüttenchef Walter Rufener mit seiner Frau die Hütte selber bewartete.
1975 amtete der Einsiedler Biathlon Schweizermeister Paul Brunner und sein Zuger Kollege Pius Fähndrich als Hüttenwarte, verstärkt durch die Aargauerin Rita Wernli. Ihre Hüttenwartstätigkeit endete mit dem Abschluss der Saison 1979.
Inzwischen hatte die Hütte mit dem Erstfelder Bergführer Alois Zgraggen ab 1975 einen neuen Hüttenchef. 1980 wird der knapp 20-jährige Markus Wyrsch als jüngster Hüttenwart in der fast 100-jährigen Geschichte der Sektion Gotthard das Amt eines Hüttenwarts bekleiden. Kleinere Erneuerungen und Verbesserungen der Hütte folgten 1976 und 1980, letztere auch als Verschönerung der Hütte für das 100-Jahr Jubiläum der Sektion Gotthard SAC.





Bild: Hütte nach dem Umbau von 1967; Foto 1968, Studio Zgraggen, Altdorf

100 Jahre Sektion Gotthard SAC 1981
Unter dem OK- Präsidenten Ernst Püntener feiert die Sektion Gotthard mit verschiedenen Jubiläumsveranstaltungen während des Jahres 1981 ihr 100-jähriges Bestehen. Dabei ist auch eine Nostalgietour auf den Krönten vorgesehen. Eine erstaunlich grosse Gruppe in der Kleidung alpiner Protagonisten erreichte zumindest die Kröntenhütte, dann verhinderte eintretendes Schlechtwetter die geplante Besteigung auf den erstmals 1868 bestiegenen Hausberg.


Abwasserreinigungsanlage 1985 und Wasserkraftwerk 1986
Mit dem Bau eines Wasserkraftwerkes von 1986 am Ausfluss des Obersees mit einer Leistung von ca. 18 KW zur Elektrifizierung der Hütte wurde eine fortschrittliche Investition getätigt, die heute noch als komfortabel einzustufen ist. Mehr zu reden gab die Vorgeschichte der biologischen Kläranlage. Mit beharrlichem Durchsetzungsvermögen des Pilotprojektes zeigten die Verantwortlichen, mit dem leider allzu früh verstorbenen Beat Huwyler an der Spitze, ihren damaligen Vorsprung im Umweltbewusstsein.

Grossinvestition und Anbau 1987
Die Jahre gehen auch an einer SAC-Hütte nicht spurlos vorüber. 20 Jahre nach dem letzten Umbau versuchten die Planer, dem veränderten Freizeitverhalten und den erhöhten Ansprüchen an die Infrastruktur mit neuzeitlicher Investition gerecht zu werden. Im Mittelpunkt stand ein östlicher Anbau über die ganze Längsfront. Diese Verbreiterung ermöglichte eine abgeschlossene und modernisierte Küche, Schlaf und Aufenthaltsraum für die Hüttenwartsfamilie; Zugang zum Untergeschoss innerhalb der Hütte zu den neuen geschaffenen Schlafplätzen, den WC-Anlagen und den sanitären Einrichtungen mit Duschmöglichkeiten.


Im Parterre bietet ein abtrennbarer Raum ideale Möglichkeiten für Vorträge. Neue Fenster waren ohnehin notwendig, viele Details halfen zur Optimierung der Betriebsabläufe. Durch die Totalrenovation wird die Kröntenhütte der Sektion Gotthard SAC mit ihren 86 Schlafplätzen zu einer der besteingerichtesten Hütten des Schweizerischen Alpenclubs.

Steigerung der Frequenzen

Durch den Umbau und einem veränderten Freizeitverhalten weisen die Besucherfrequenzen der Kröntenhütte eine massive Steigerung auf. Bereits 1990 buchte die Hütte mit knapp 1800 Übernachtungen ein Rekordjahr und zeigte im Jahrhundertsommer 2003 wie auch 2004 mit über 3000 Übernachtungen Spitzenwerte. Der Hüttenchef Martin Zberg übermittelt im Jahresbericht 2005 der Hüttenwartsfamilie Irene und Markus Wyrsch- Walker ein spezielles Dankeschön. Sie ermöglichten den Gästen der Kröntenhütte auch in der 25. Saison einen angenehmen Aufenthalt.



Mit der hohen Belegung stösst die Hütte heute an die Grenze ihrer Kapazität.
Die Problempunkte: Lagerraum für Frischprodukte und Getränke, verbesserte Schlafstellen im niedrigen Dachgeschoss, Zimmer für Angestellte und kleinere Zimmer für Familien. Die Sektion Gotthard des SAC wird bald über einen weiteren Umbau abstimmen müssen.


Foto nach dem Umbau von 1987

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