Erstfeld Tourismus heisst Sie herzlich willkommen


Direkt zum Seiteninhalt

Hauptmenü


Bristen

KULTUR > Berge

Seit Jahrtausenden überblickt er das Geschehen in Uri

Der monumentale Bristen prägt mit seiner freistehenden Felspyramide von 3072.7 Metern Höhe das unverwechselbare Erscheinungsbild des Kantons Uri und gilt als dessen Wahrzeichen schlechthin. Schon im Urnersee taucht seine harmonische Gestalt ins Blickfeld. Bereits in Flüelen dominiert er als alleiniger Mittelpunkt das südliche Landschaftsbild und ab Erstfeld beherrscht er definitiv das Tagesgeschehen des unteren Urner Reusstals. Die gleichmässige, dreikantige Pyramidenform des Bristen gilt mit seiner Ansicht vom Urner Talboden aus unzweifelhaft als eine der schönsten Bergformen unserer Alpen. Seltenschöne Einzelbilder und großartige Gesamtblicke vereinigen sich am Bristenstock zu einer Bergschau von erhabener Pracht und Harmonie.

Video (mit entlehntem !Text von Sepp Huber)

Gipfel
Auf dem Gipfel des Bristen soll auf der "obersten Spitzen ein Holz ligen, welches Einige von der Sündflut her zu seyn achten" und von dem 1693 festgehalten wird :„ unweit von Steg war uns linger hands gegen Disssidis gezeiget der berg Brüsten genant, welcher, wie die Inwohner wollen, höcher als der Pilatus zu Lucern ist, beynebens auch fruchtbahr an gemsch und murmelthierlein“ (UNB).

Bristensee
Der Bristensee liegt auf 2095 m, misst 2 ha und ist 6,5 m tief. Der fast runde, eher karge, manchmal trübe See ist ein typisches Namaycush-Gewässer und immer für eine Überraschung gut. Von Bristen aus führen mehrere Wege dorthin. Der am häufigsten begangene Pfad ist der über das Bristenstäfeli und Blacki. Für den Aufstieg zum See rechnetet man mit rund drei Stunden.

Erste Begehungen
Es waren vermutlich Gemsjäger oder Kristallsucher, die bereits früher bis auf die höchsten Grate des Gipfels vorstießen. Bis am 23. Juli 1823 der naturforschende Altdorfer Arzt, Dr. med. Karl Franz Lusser die touristisch erste bekannte Ersteigung ausführte. Mit einigen Freunden und durch Hilfe von Gemsjägern unter der Führung von Hans Indergand, Stutz Hans genannt, gelang ihm die erste Besteigung des Bristen am über den Nordostgrat von der Etzlialp aus. Eine rundlich geformte, 10 Fuss hohe Steinwarte krönte das Bergerlebnis auf dem weithin sichtbaren Gipfel.

Bericht über die Gletscherveränderungen am Bristenstock

In seinen Berichten an den in Zürich ansässigen deutschen Arzt Johann Gottfried Ebel berichtet Karl Franz Lusser in zwei seiner Briefe über seine Besteigung des Bristenstockes vom 23. Juli 1823. Im ersten dieser Briefe geht er dabei fast beiläufig auf Berichte über Gletscherveränderungen und das Bergerlebnis am Bristenstock ein. "Im ganzen Lande hat diesen Sommer die Gletschermasse ganz ungeheuer abgenommen, wie sich die älteren Gebirgsbewohner kaum zu erinnern wissen, und dagegen nur an jenen wenigen Stellen etwas an Ausdehnung gewonnen, wo der sich spaltende Firn durch die Felsenthäler hervordrückte und die vorrückenden Trümmer über keine Felswände hinunter stürzen konnte. Dieses Hinunterstürzen war sehr häufig; ich selbst habe mehrere schöne Gletscherlauwinen angesehen. Unter anderem krachte es am 23. July, an welchem Tag ich mit einigen Freunden durch Hilfe von Gemsjägern die Spizze des Bristens, nicht ohne Mühe und Gefahr, erstiegen, im Kreise herum, als ob die Erde bersten wollte, und die Gemsjäger weissagten daraus sehr bestimmt, dass innert 48 Stunden schlechte Witterung eintretten werde, obschon damahls keine Wolke sichtbar war. Die Ansicht des ungeheuren Chaos von Gebürgen, von der freystehenden Bristen, ist unbegreiflich erhaben, und es thut mich ungemein schmerzen, dass mein fatales Magenkopfweh mich dort oben befallen und an der Zeichnung der ringsum umschließenden Gebürge hinderte und mir die so mühsam errungene Freude verdarb."

Erstbesteigungsbericht

Im zweiten Brief schreibt Lusser genaueres über die Besteigung des Bristenstockes: "Auf den Bristen bin ich von Etzli her, also von der Ostseite. Den ersten Abend bin ich in den allerobersten Staffel, Stock und Stein genannt, 2 Stunden ob Etzli in einer Höhe von beynahe 5000 Fuss; da sind wir nach schlafloser Nacht, beynahe unter freyem Himmel zugebracht, am Morgen um 3 Uhr abgegangen. Nach einer Stunde steigen verliess uns die Vegetation, und wir waren am Fusse des kleinen Blaufirnes, wo dicht am Eis die arabis bellidifolia in ungeheuerer Menge blühte. 2 Stunden lang giengs nun über eine steile Eiswand, die wäre sie Rasen gewesen, in einer Halbstunde zurückgelegt werden könnte; allein, jeder Tritt musste mit einer Schaufel eingehauen werden. Dieser Marsch war langweilig und gefährlich; nun gings über eine halbe Stunde über einen Felsrücken zwischen Schnee und Trümmer über sparsame Pflänzchen, wovon ich ranunculus nivalis, pedicularis rostata, einige Saxifragen und Aretien mir merkte, ziemlich bequem vorwärts, aber nun ging das Klettern an; man konnte nicht mehr gehen, man musste sich in den Felsspalten mit den Händen anklammern und vorsichtig von Felsenvorsprung zu Felsenvorsprung hinaufklettern, und nur wenn der Fuss auf einem breiten Stein fest stund und man sich an den Felsen bequem anlehnen konnte, wagte man es, sich nach der grundlosen Tiefe umzusehen. Nachdem wir cirka 2 Stunden so in dieser ungeheuren Wüste emporgeklettert, wo sich kein Leben ragte, gelangten wir auf die Spizze dieses hohen Kegels. Da lohnte unsere Mühe die unbeschreiblich erhabene Ansicht von Riesengebürge von Osten bis Westen, und die weite Ferne im Norden. Wir sind also von der schon hoch erhabenen Alphütte beynahe 5 Stund gestiegen, was wir, ausgeruht nicht mitgerechnet, und zwar ohne Umwege ziemlich grad hinauf und dass so gut marschiert sind als sich an solchen halsbrecherischen Orten marschieren lässt, dessen rühmte uns unser Führer mehrmahlen. Aber noch war nicht alles vorüber, wir wagten es nicht, den gleichen Weg zurückzulegen des steilen Eisfeldes wegen, sondern nahmen den Rückweg über die nördliche Kante des Berges, die man von Stäg hinauf erblickt, lenkten dann oberhalb dem See auf Bristen links nach Stäg hinunter. Von der Spizze bisoben an den Firn gerade ob Stäg ist es sehr schwer und nicht ohne Gefahr zu kommen; man muss beynahe mehr klettern als gehen. Um 11 Uhr verliessen wir die Spizze und waren erst um 1 Uhr oben am Gletscher, um 2 Uhr am Fuss desselben oben am See, wo uns der Führer wieder verliess, und gegen halb sechs Uhr abends waren wir am Stäg. Die Hitze von der Spizze bis in die Alp hinunter war quälend, nirgends Schatten, kein kühler Luftzug, so dass wir auf diesem gut fünfstündigen Rückweg wohl hier und da abgesessen, aber nirgends eine Viertelstunde verweilt haben. Einige Stellen ausgenommen, die aber mit wenig Müh ausgebessert werden könnten, könnte man ohne Gefahr den Gipfel besteigen; wohlgemerkt, wer weder dem Schwindel (unterliegt) noch sonst furchtsam wäre."

Von den Gefahren berichten auch spätere Bergsteigen, so zum Beispiel E.A. Türler in seinem Büchlein "Berge am Vierwaldstätter- See" (1888). Er schreibt, die Besteigung des Bristenstocks sei schwierig, aber "wer etwas Mark in den Knochen hat, die Abgründe nicht scheut und eine drei- bis viertelstündige Felskletterei ertragen kann, dem ist diese Bergparthie sehr zu empfehlen."

Die ersten Fremden

1832 verpflichteten die zwei ersten Fremden, der erprobte Bergsteiger und Zürcher Regierungsrat Hirzel- Escher und der Gebirgszeichner und Maler Zeller- Horner, den einheimischen Führer Walker für eine Besteigung. Sie griffen den Berg von Amsteg her an, gelangten nur bis auf einen Vorsprung des nördlichen Grates unweit des Gletschers. Dichter Nebel auf der Höhe von ca. 6000 Fuss verhinderte den weiteren Aufstieg und bewog die Partie zum Rückzug. Seit jenem Tag beschäftigte sich der Zürcher Zeller- Horner mit einem zweiten Versuch. Sieben Jahre später, im Sommer 1839 traf er am 31. Juli abends, allein in Altdorf ein. Dr. Lusser traf er leider nicht an, an seiner Stelle gab ihm Dr. Müller den Rat, Josef Maria Trösch von Silenen, mit dem Zunahmen Grosser Trösch, als Führer zu verpflichten. Dort war Trösch nicht anzutreffen, im Sommer sei er mit seiner Familie im Etzlital z'Alp. Weil eine schlechte Meldung selten allein kommt, war er auch dort nicht anwesend, er war mit Käse nach Altdorf unterwegs!
Die Frau des Gemsjägers Trösch bot ihm an, mit "der den Urnern eigenen Freundlichkeit", in ihre Hütte im unteren Stafel der Etzlialp einzutreten. Ein vierjähriger, pausbäckiger Junge mit einem grossen Stück Käse im Mund glotzte dort den Zürcher mit scheuem Blicke an. (Dabei handelt des sich unzweifelhaft um den später durch seine Lebensweise auffallenden
Felli- Tresch, (1835 - 1902) dessen Namen heute noch mit der Treschhütte weiterlebt). Anstelle des Vaters anerbot sich der zweitälteste Sohn, ein 17-jähriger Bursche, anderntags mit ihm den Mutsch zu besteigen, auf den Bristen getraute er sich noch nicht. Etwa um fünf Uhr abends waren sie wieder auf der Alp zurück, bald nachher traf auch Vater Trösch ein. Der Rat des Altdorfer Arztes erwies sich zumindest in der Beschreibung des Führers als zutreffend. Von hohem Wuchs, mit 60 Jahren etwas von den Jahren gebeugt, mit regelmässigen, aber harten Gesichtszügen, schien seine Muskelkraft noch ungebrochen, dazu hatte Josef Maria Trösch schon über dreihundert Gämsen erlegt.

Aufstieg zum Bristenstock

Am Morgen des 3. August 1839 morgens um halb vier Uhr, mahnte Trösch in seiner Alphütte zum Aufbruch, denn der Aufstieg dauere rund 6 Stunden. Vom Etzlital über die Alp Laucher näherten sie sich dem Nordostgrat und erreichten das Klisergrätli (Chlüsergrätli). Später zeigte sich der Grat scharf und zackig. Der Zürcher fand es höchst anstrengend, jeden Tritt und jeden Stein zu prüfen und der Gedanke, mit einer losbrechenden Platte in die Tiefe zu stürzen, war wenig einladend. Darum bat er bei der ersten "bösen" Stelle, den mit erstaunlicher Ruhe und Sicherheit gehenden Trösch, ihn ans Seil zu nehmen. Nur das volle Vertrauen in die Kenntnis des Führers gab ihm Zuversicht, dass hier ein Emporkommen überhaupt möglich sei. "Öfters, wenn es so recht steil aufwärts ging, fühlte ich mich von seiner kräftigen Hand emporgezogen, so dass ich nur für die Füsse einen sicheren Punkt zu suchen hatte, dabei aber häufig mit dem Kopf an seine über mir schwebenden Schuhsohlen stiess". So schritt der wackere Trösch fort, das Seil um die linke Faust gewickelt, mit der Rechten seine kurze Hacke als Stütze benützend. Gross war die Freude des Zürchers Zeller- Horner, als er um 10 Uhr endlich auf dem Gipfel stand. "Von keinem Gipfel, welche ich bisher betreten hatte, war mir die harmonische Vereinigung des Grossartigen mit dem Lieblichen so ergreifend vorgekommen. Laut bezeugte ich dem alten Führer meine Freude, dass er mich an einen so göttlichen Ort geleitet hatte, und wir beide vereinten uns in Dank und Bewunderung gegen den Schöpfer dieses prachtvollen Schauspiels". Der dreistündige Aufenthalt verstrich wie ein kurzer, herrlicher Traum, bevor Trösch um 1 Uhr zum Aufbruch mahnte und der Zürcher Gebirgs-zeichner seine unvollendete Panorama- Zeichnung einpacken musste. Auf der gleichen Route stiegen sie wieder ab, "leichter als ich gedacht, jedoch Schritt für Schritt mit grösster Vorsicht, wurde Stufe um Stufe zurückgelegt, und ich dankte Gott aus innerstem Herzen für seinen gnädigen Schutz, als ich beim Bristensee wieder auf Rasengrund sicher stehend mich fühlte". Bei den Bristenalphütten nahm der Zürcher Gebirgszeichner und Maler Abschied vom wackeren Trösch und stieg den steilen Viehweg durch die endlos scheinende Waldregion hinab nach Amsteg, mit der Überzeugung, die schwierigste seiner bisherigen Bergfahrten vollbracht zu haben.
Im Spätherbst wurde der Gebirgszeichner in Zürich überrascht. Da meldete sich im Oktober ein junger kräftiger Bursche in seiner Zürcher Wohnung. Es war der Sohn des Führers Trösch, mit einem vom Vater erlegten, kapitalen Gemsbock! Dies zur Erinnerung an ihr gemeinsames Erlebnis auf dem Bristenstock.

Zwei Zürcher und ein Basler

Nach zwei Zürchern stand als weiterer Besucher am 10. September 1839 der Basler Georg Hoffmann auf dem Gipfel des Bristen. Als Führer amtete der bereits bei der ersten Besteigung amtierende, "Hans Jn der Gand", bekannt unter dem Namen "Stutz- Hans. Zusammen mit seinem verheirateten Bruder alpte er im Sommerhalbjahr im "oberen Bristenberg", und haushaltete dort, noch ledigen Standes mit einen Knecht, im Winter hingegen war er im Ried wohnhaft. Erst um 6 Uhr verliessen sie die gastliche Wohnstätte und erreichten um 11 Uhr, nachdem sie sich auf einem mehr als dreistündigen Weg, immer an schwindligen Abgründen kletternd hindurchgekämpft hatten, endlich die ersehnte Spitze. Fünf Stunden verweilten sie auf dem Gipfel und fanden im 10 Fuss hohen Steinmann, im Hals einer Weinflasche auf Papierstreifen die Namen ihrer Vorgänger. Zeller Horner, im August, rund 14 Tage später ein Freund von Zeller, "Herr Sensal, Fäsi- Freundweiler aus Zürich", ebenfalls in Begleitung von Hans Indergand. Georg Hoffman hinterliess ebenfalls seine Präsenz und schrieb auf ein besonderes Blatt: "Georg Hofmann aus Basel bestieg diesen Gipfel Dienstag, den 10. September 1839 Vormittags 11 Uhr mit dem Führer Hans Jn der Gand, welcher als ein sorgfältiger und geübter Berggänger jedem Besucher des Bristenstockes zum Begleiter anzuempfehlen ist. Frisch gefallener, knietiefer Schnee machte die Ersteigung sehr beschwerlich, aber die herrliche Rundsicht auf dem Gipfel liess alle Beschwerde vergessen". Bei dieser Rundsicht treten längst vergessene Bergnamen auf: "Rechts vom Titlis erhebt sich die zackige Gestalt des Grindlet oder Kröndlet mit seinem breiten Gletscherrücken". Von der Anzahl der Besteigungen schreibt er weiter: "Ausser der Gesellschaft aus Amstäg und jenen beiden Zürcher Herren hat sich noch Niemand auf dem Gipfel dieses Berges begeben". Um 4 Uhr stiegen sie über den nordwestlichen Grat über ausserordentlich abschüssige Felspartien hinab und erreichten nach drei mühevollen Stunden wieder in der Alp Bristenberg an. Dieser Abstieg über die Nordwestflanke hat in den Analen des Alpinismus Langzeitwirkung. Es war die bisher erste bekannte Begehung über diese Route.

Quellen:
UW, Samstag, 17. Sept. 2005; (Dr. phil. Josef Auf der Mauer)
Sepp Huber: Vom Holzschuh zum Kletterfinken:
Amt für Umweltschutz (Fischerei). - Hoffmann, Wanderungen in der Gletscherwelt, 1843 (Bristenstock). Alpina SAC. - Zeller- Horner, Eine Besteigung des Bristenstocks vor 50 Jahren, geschrieben im Winter 1839/40. Alpina SAC 1894 - Urner Namenbuch Bd. I. p. 618, 619. - Urner Führer 1905

HOME | UNSER DORF | FREIZEIT | GASTRO | GEWERBE | VEREINE | KULTUR | Site Map


ADRESSE: Erstfeld Tourismus, Postfach 30, 6472 Erstfeld | erstfeld@erstfeld-tourismus.ch

Zurück zum Seiteninhalt | Zurück zum Hauptmenü