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Alp Chüeplangg

KULTUR > Erstfeldertal

Alp Chüeplangg
Hüttenrecht 2007: Bissig Felix
Weideflächen: 81 ha
Weideland total: 81 ha
Hüttenstelle: 1451 m
Frühere Bestossung mit Grossvieh: 18 – 20 Stösse in 100 Tagen
Heutige Bewirtschaftung (2008), Ziegennutzung: ca. 120 Stück
Rechtsform: Alp Eigentum Korporation Uri

Lage
Die Alp Chüeplangg im Erstfeldertal mit seinem dominierenden Wasserfall liegt auf 1540 bis 1800 m, in einem nach Osten offenen Talkessel, begrenzt und umrahmt durch die gewaltige Schlossbergkette und nahe seiner zerrissenen Gletscherausläufer. Das lang gezogene Alpgebiet ist von Rinnen durchfurcht und zerklüftet. Neben zahlreichen Felsbändern durchschneidet der tief eingeschnittene Alpbach die Alp, die seit 2004 nicht mehr mit Grossvieh, sondern mit Ziegen bestossen wird. Für die Wasserversorgung ist eine Quelle auf der Schattenseite des Tales oberhalb der Hütten gefasst.


Schwieriger Zugang

Die grösste Schwierigkeit für die Bewirtschafter der Alp bietet der Zugang. Dieser steigt nach Wischflue gegen die Stäuben an und mündet in einen schmalen und für Grossvieh teilweise exponierten Fussweg in eingehauene Felspassagen zum Tirlistei, bevor er bei der Stäubenbrücke den Alpbach überquert und nach den feuchten Platten der Wasserstägä in den Schattig Chüeplanggboden überleitet.


Mehrere Alprechte

Die Alp Chüeplangg besass früher mehrere Alprechte und wurde weiträumig bestossen. Zerfallene Mauerreste östlich vom Obersee und oberhalb der Ebene des Fulensees sind stumme Zeugen längst vergangener Bewirtschaftung. Zu wiederholten Malen wird die Fulenseealp erwähnt, deren Alpgebäude den ersten Touristen als Nachtlager diente. Als die Alp noch mit Grossvieh bestossen wurde, wich man bei anhaltendem Schneewetter ins tiefer gelegene Chäli aus.

Weg über Chüeplangg

Link
Frau Anna Furrer- Huber

Tochter des Michi- Sepp und der Magdalena, geb. Wipfli
1904- 1993
Bild unten:
Oel auf Leinwand von Jost Muheim (1808- 1880)
Blick ins Erstfeldertal

Der „Bini- Sepp“ (Josef Furrer- Arnold) hat sein ganzes Leben auf Chüeplangg gealpet. Im Alpsommer 2003 trug er die Milch zum letzten Mal zur Hütte in den Schattig- Boden.

Erwähnungen
1790 „Vûe de Glaciers à Ober See, au Vallée d’Erstfelden Canton d’Uri“. Zeichnung Franz Xaver Triner
1824 „ In der obersten Alp im Erstfeldertal“. S.Biermann, Bleistiftskizzen
1830 „Obersee und Alp“ Karte „Delkeskamp“.
1842 “für Hiten und Keller Platz zu Kühplangg schattenhalb“. Prot. Erstfeld, Dorfgericht
1875 „über den zerschrundenen Schlossbergfirn hinab zur Moräne, und durch Alpenrosenhalden zu den Hütten der Kühplankenalpe im hinteren Erstfelder Thal“. Christ, Unterwaldner Alpen
1876 „ein breites Bassin, in welchem der Fulensee liegt, mit der Fulenseealp; über diesem theilweise versumpften Seebecken liegt ein zweites, den Obersee beherbergend, von dem ein stattlicher Bach zur Fulenseealp niederstürzt“. Schiess, Leutschachthal Jb. SAC 12, p. 116

„von der Wischfluhalp aus auf die Terrasse, die im Hintergrund den Fulensee beherbergt.

1876 „10 Minuten oberhalb des Fulensees die Hütten der Fulen“. Jb. SAC 1876

1894 Zu verkaufen in der Kuhplangg:
1. Die hintere Hütte samt Stall und die Hälfte der vorderen Hütte auf dem Schattigen Kühplanggboden.
2. Die Hälfte des Stalles in der sonnigen Kühplangg.
Waisenamt Erstfeld, Amtsblatt

1897 „wir erreichten die letzten Hüttchen des Erstfelder Thales, den Altstafel (1648 m)“. Alpina SAC V

1905 Der Bundesrat hat dem Kanton Uri für die bis zu Fr. 800.--veranschlagten Kosten der Wegverbesserung in die Kuhplanken – und Faulenseealp unter der Voraussetzung, dass der Kanton die gleiche Leistung erbringt, 15 % als Höchstbetrag, Fr. 120.-- zugesichert.

1933 Im Schattig Chüeplanggboden wurde anstelle des früheren Holzbaues eine neue Sennhütte errichtet und mit Wellblech überdacht.


Alpschema 1944 (Alois Blättler, Alpwirtschaft und Wildheuen im Erstfeldertal)

Hauptstafel Chüeplangg
Zwischenstafel Langenbalm
Zwischenstafel Sonnigboden
Zwischenstafel Börderen
Ausstafel Altenstafel
Zwischenstafel Hoch Biel
Ausstafel Fulensee
Zwischenstafel Hoch Biel
Zwischenstafel Börderen
Zwischenstafel Sonnigboden
Zwischenstafel Langenbalm
Hauptstafel Chüeplangg

8 bis 14 Tage
4 bis 5 Tage
4 bis 5 Tage
4 bis 5 Tage
8 bis 10 Tage
4 bis 5 Tage
5 bis 8 Tage
2 bis 5 Tage
2 bis 5 Tage
2 bis 5 Tage
2 bis 5 Tage
8 bis 14 Tage

Vom Hauptstafel aus ohne bestimmtes Schema, je nach Graswuchs bis zur Alpabfahrt.

Bild oben: "Michi-Sepp und sein Leni"
Josef Huber- Wipfli und Magdalena Huber, geb. Wipfli, aus dem Stamm der "Hecheler"

oben links: Chüeplangg, Zeichnung von Jost Muheim, Senior (1808 – 1880);
oben rechts: Alpfahrt "z' Michisepps Meitli"
Unten: Michi Sepp auf Obersee

Ein bemerkenswerter Älpler und Bergführer war Sepp Huber- Wipfli der „Michi- Sepp“.

1868- 1953


Seit 1885 auf der Chüeplangg tätig, lag die Alp nach dem Bau der Kröntenhütte (1890) sozusagen am Hüttenweg. Hier wurde gerastet, hier trank man
Süffi aus dem Napf und Schwarzes aus dem Emailbeckäli.

Ab 1905 bewartete er einige Jahre die Kröntenhütte und erwarb 1906 zusammen mit 14 anderen Teilnehmern in einem 10-tägigen Bergführerkurs das Urner Bergführerpatent. Als Lokalführer des Erstfeldertal und Umgebung tätig, führte sein Weg mehrfach über
ds’Lickli, die Schlossberglücke, und auf die Gipfel seiner näheren Umgebung.




Z’Läbä gärn ging er auf seine Chüeplangg z’Alp. Nachdem allerdings die Sennhütte wegen Fahrlässigkeit von Touristen bis auf die Grundmauern niederbrannte, waren Kontrollgänge angesagt. Dabei traf er, wiederum in der Hütte auf zwei verdächtige Typen. Mit einem Ablenkungsmanöver holte er sein Jagdgewehr und die Beiden mussten bis zum Polizeiposten nach Erstfeld marschieren, hinter Ihnen der
Michi- Sepp mit Gewehr.

1901 wurde er Zeuge eines Bergunfalls. Beim Abstieg von der Schlossberglücke Richtung Chüeplangg glitt einer der Alpinisten aus und verschwand in rasender Fahrt in einem Firnkessel. Mit der anforderten Hilfe traf die eingeleitete Hilfsaktion auf eine weibliche Verunglückte. Sie lag in ca. 80 Meter Tiefe und konnte nur noch tot geborgen werden. Die zweite weibliche Person, die sich in die steile
Sackplangge verirrte, wies keine Verletzungen auf. Es waren die englischen Schwestern Jrafford, die Verunglückte war 26- jährig. Zusammen mit ihrem Vater weilten sie in Engelberg und wollten ohne die geringsten Alpinkenntnisse über die Schlossberglücke nach Erstfeld und gleichentags wieder über den Surenenpass nach Engelberg marschieren.

Verheiratet mit Helena Wipfli, die ihm fünf Kinder schenkte, wohnte Sepp Huber in der
Chuchi neben der St. Leonhardskapelle. Von Herren und Welten berichtete der Michi- Sepp, von Bergen und Stürmen, vom seinem prämierten Stier Chaiser, seinem Tschägg, - von Politikern und Kirchängern.

Beide Hosenträger gespannt zwischen den Händen erzählte er
: Ix und wiä und tschäss - von seinem Erstfeldertal, vom Petergness z’altä Stafel von der englischen Miss im Gletscherschrund, vom Russen Peskin im Schlosschessel und seiner eigenen Lebensphilosophie.


Bild unten:
Stich Fulenbachfall im Erstfeldertal
rechts: Michi- Sepp vor dem Sulzwald


Der gestohlene Alpkessel

In einer Erstfelderalp hatten sie einen heillosen Verdruss wegen dem Alpchessi. Jeden Winter wurde es ihnen gestohlen und sie konnten dem Dieb gar nicht auf die Spur kommen. Endlich ‘legten sie dem Dieb den Segen’ dass heisst, sie liessen ihn bannen, b’stellen, dass er mit samt seinem Raube musste stehen bleiben bis die Besitzer ihn selber befreiten. Jetzt hätten sie am nächsten Morgen früh vor Sonnenaufgang in der Alp sich stellen sollen um ihm den Chessel abzunehmen. Aber sie vergassen es. Als sie nun im nächsten Sommer die Alp bezogen, da stand der Dieb in der offenen Haustüre, steif und brandschwarz, das Welchessi auf dem Rücken. Sie betrachteten und erkannten ihn. Wie sie ihn antasteten zerfiel er zu Staub und Asche. Gestohlen wurde ihnen nie mehr.

Sagenwelt
Ein Knecht in der Kuhplanggalp zuhinterst im Erstfeldertal konnte es gut mit dem Teufel. Häufig schlief er am Schatten hinter einem Stein und dann kam jedes Mal der Teufel und wehrte ihm die Fliegen. Dänk mid’m Schwanz!

Der Zeichenstein
Im Grunde des Erstfeldertales, uff den Gründen (auf ca. 1650 m, Koord. 685 910 / 184 580), liegt nahe am Weg zur Kröntenhütte, etwas unterhalb eines mehrere m3 grossen Felsblocks ein unscheinbarer Kalkblock mit den eingemeisselten Zahlen und Initialen:
AD°/ + 1668.8 AM/I

(1668 war ein Schaltjahr und der 8. August ein Mittwoch).
Der Erstfelder Heimatforscher Robert Furrer- Spahni schreibt dazu:
„Wir dürfen annehmen, dass im Jahre 1668 im August (Zahl 8), der Alt Stafel durch einen Gletscherabbruch oder durch einen Felssturz von den Sonnigstöcken verwüstet oder versaaret wurde. Bei diesem Ereignis ist vermutlich eine Person (AM) getötet worden.
Die Anfangsbuchstaben „AD“ mit dem Ringzeichen bildeten früher die Abkürzung für Anno Domini - Im Jahre des Herrn nach Christi Geburt - während das Kreuzzeichen vielmehr auf einen Unglücksfall hindeutet“. Nach alt Kantonsoberförster Dr. M. Oechslin markiert die Jahrzahl des Zeichensteins den damaligen Gletscherstand.

Bild unten
links: Gedeon Wipfli, rechts: Michael Huber- Wipfli

Touristen auf der Chüeplangg um 1895

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